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am 6. Juni 2019

Informationsabend: Photovoltaik für Mehrfamilienhäuser

Franz Safar - Nach einer Gesetzesänderung kann jetzt die elektrische Energie einer Photovoltaikanlage in Mehrfamilienhäusern auf die einzelnen Hausparteien aufgeteilt werden. Dies eröffnet viele neue Möglichkeiten über die wir an diesem Informationsabend einen ersten Überblick bieten wollen. Bei entsprechendem Interesse sind Folgeveranstaltungen zu einzelnen Detail-Themen möglich.

Dächer mit Solarpaneelen

Bei der Veranstaltung werden wir auf die hier in der Folge dargestellten Sachverhalte etwas detaillierter eingehen und uns dann vor allem den Voraussetzungen und Ausschlusskriterien widmen, die bestimmen, ob die Errichtung einer Photovoltaik-Anlage (kurz PV-Anlage) auf eurem Haus sinnvoll sein kann.

Wir möchten aber auch Fragen zu dem Thema sammeln, soweit es uns möglich ist, diese direkt beantworten und die übrigen an entsprechende Expert*innen zur Beantwortung weiterleiten.

Bei genügend Interesse sind wir auch gerne bereit Folgeveranstaltungen zu Detail-Themen zu organisieren.

Eure diesbezüglichen Vorschläge oder Fragen richtet bitte an mich unter franz.safar@gruene.at​.​

​warum Photovoltaik ?

​Während die Nutzung der Energie, die bei der Kernspaltung frei wird, eindeutig in eine Sackgasse geführt hat, sehen manche in der Kernfusion eine strahlende Zukunft. Dem kann ich sogar zustimmen, allerdings nur dann, wenn wir den riesigen Kernfusionsreaktor nutzen, der uns bereits seit Jahrmillionen mit Energie versorgt, nämlich unsere Sonne. Die Sonne ist beinahe die einzige Primärenergiequelle, die wir haben. Fast alle Energieträger die wir kennen sind genau genommen nur verschiedene Formen von umgewandelter oder gespeicherter Sonnenenergie.

-> siehe ANDERE ENERGIEQUELLEN


Was ist eigentlich Sonnenenergie ?

Als Sonnenenergie bezeichnen wir üblicherweise jenen Teil der Strahlungsenergie der Sonne, die an der Erdoberfläche ankommt. Es ist kein Zufall, dass es sich dabei um jene Anteile der Strahlungsenergie handelt, die für das Leben auf der Erde unersetzlich sind - schließlich hat sich dieses Leben ja unter dem Einfluss genau dieser Strahlung entwickelt. Unsere Atmosphäre und unser Erdmagnetfeld sorgen dafür, dass viele weniger bekömmliche Anteile dieser Strahlung nicht an der Erdoberfläche ankommen.

Was mit der angekommenen Strahlungsenergie passiert, hängt nun hauptsächlich davon ab, wo die Sonnenstrahlen auftreffen. In der Regel wird ein Teil wieder Richtung Weltall reflektiert und ein Teil absorbiert. Im Zuge der Absorption erfolgt immer eine Umwandlung in andere Energieformen. Die wesentlichen drei dieser sekundären Energieformen sind Wärme, chemische Energie und Elektrizität. Während die beiden ersten auch in der Natur vorkommen, brauchen wir für die direkte Umwandlung der Sonnenenergie in Elektrizität die Photovoltaik.

Komponenten einer Photovoltaik-Anlage

Eine PV-Anlage besteht aus mehreren elektronischen Komponenten. Die wichtigsten sind Solarzellen und der Laderegler oder Wechselrichter. Die Solarzellen werden zu Modulen, den Solarpaneelen, zusammengefasst. Diese stellen den sichtbaren Teil einer Anlage dar. Die Gesamtleistung einer Anlage ergibt sich im wesentlichen aus der Gesamtfläche aller Solarmodule. Solange Sonnenstrahlen auf die Solarzellen treffen, kann an den Anschlüssen der Solarmodule elektrische Energie entnommen werden. Diese wird entweder über einen Laderegler zum Aufladen von Akkumulatoren verwendet, also zwischengespeichert, oder über einen Wechselrichter in ein Wechselstromnetz eingespeist. In der Praxis kommt zusätzlich noch einige Elektronik zur Optimierung und Überwachung der einzelnen Komponenten hinzu.

Wirtschaftlichkeit einer PV-Anlage

Ökologisch betrachtet ist jede PV-Anlage sinnvoll, solange die damit umgewandelte Energie den Energieaufwand übersteigt, der für die Erzeugung der Komponenten und die Errichtung der Anlage aufgewendet werden musste. Nachdem wir aber nun einmal in einer kapitalistischen Gesellschaft leben, müssen wir auch die Wirtschaftlichkeit betrachten.

Auf der Soll-Seite stehen die Errichtungs- und die Wartungskosten der Anlage und auf der Haben-Seite steht der Preis der produzierten elektrischen Energie. Während die Kosten für Errichtung und Wartung einer Anlage relativ gut kalkuliert werden können, ist die Berechnung auf der Haben-Seite wesentlich schwieriger.

Dies liegt vor allem an der Tarifpolitik der Anbieter elektrischer Energie, da diese für jede Kilowattstunde (kWh) die sie liefern, einen vielfachen Preis dessen verlangen, als sie für eine kWh zahlen, die sie abnehmen. Das führt dazu, dass jede Anlage umso wirtschaftlicher wird, je mehr zugekaufte Energie durch selbst umgewandelte Energie ersetzt werden kann.

Was bedeutet die oben genannte Gesetzesänderung in der Praxis ?

In einer Hausgemeinschaft erreicht die statistische Verteilung des Energiebedarfs in der Regel eine viel größere Deckung mit der statistischen Verteilung des Energieangebots einer PV-Anlage als in einem einzelnen Haushalt. Das heißt im Klartext, die Anlage wird wirtschaftlicher, da der Anteil der elektrischen Energie, der innerhalb der Hausgemeinschaft genutzt werden kann, größer wird und daher weniger Energie aus dem öffentlichen Netz bezogen werden muss.

Der Betreibe der Anlage muss dabei nicht unbedingt der Hausbesitzer sein. Mit der Zustimmung des Eigentümers können auch andere Personen oder Gemeinschaften solche Anlagen errichten und betreiben.

Andere Energiequellen


  • Biomasse: Der Ursprung jeglicher Biomasse ist die Photosynthese, wobei - vereinfacht ausgedrückt - aus CO2 und H2O mithilfe der Energie aus dem Sonnenlicht feste Kohlen-Wasserstoff Verbindungen gebildet werden​. Dabei wird Sauerstoff an die Atmosphäre abgegeben und ein Teil der Energie bleibt als chemische Energie in der Biomasse gespeichert. Beim Verbrennen wird wieder Sauerstoff aus der Luft aufgenommen, die gespeicherte Energie frei und es entsteht u.a. wieder CO2  das an die Umgebung abgegeben wird. Dies wäre eigentlich ein Kreisprozess, aber leider ist ein großes Problem, dass bei dieser Verbrennung auch viele andere teils schädliche Nebenprodukte entstehen, wovon z.B. der Feinstaub als extrem gesundheitsschädlich gilt.

  • Fossile Brennstoffe wie Kohle, Erdöl, Erdgas, etc.: Sie werden oft als Primärenergieträger verkauft, was aber genau genommen falsch ist. Alle fossilen Brennstoffe haben ihre Existenz als Biomasse begonnen, sind also im Wege der Photosynthese entstanden. Da sie eine stark verdichtete Form dieser Biomasse darstellen, ist die in ihnen gespeicherte Sonnenenergie auch größer als in "frischer" Biomasse. Es wäre jedoch grundlegend falsch jetzt daraus zu schließen, dass die Nutzung von fossilen Brennstoffen gleichwertig mit der Nutzung frischer Biomasse ist. Die Bedingungen, die es erst ermöglicht haben, dass sich Sauerstoff atmende Lebewesen wie wir entwickelt haben, sind dadurch entstanden, dass über hunderte Jahrmillionen hinweg unserer Atmosphäre im Wege der Photosynthese CO2 entzogen und O2 hinzugefügt worden ist. Erst dadurch hat sich das Klima stabilisiert und es konnten höherwertige Lebensformen entstehen. Bei der Verbrennung fossiler Energieträger machen wir genau diese Prozesse wieder rückgängig und setzen diese über Jahrmillionen in der Erde gespeicherten Kohlenstoffverbindungen wieder als CO2 in die Atmosphäre frei, wobei wir das mit millionenfacher Geschwindigkeit machen. Wohin das führt ist klar, die Natur wird wieder ein Gleichgewicht herstellen, so oder so. Die Natur braucht keine Menschen, aber der Mensch braucht die Natur zum Überleben.

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  • ​Wind: Der Wind wird durch die Temperaturunterschiede erzeugt, welche durch die Sonneneinstrahlung hervorgerufen werden. Er ist also eine umgewandelte Form der Sonnenenergie.


Andere Energiequellen


  • ​​Wasserkraft: Die Sonnenenergie sorgt dafür, dass Wasser verdampft, aufsteigt und dabei jene kinetische Energie abbekommt, die nach dem Abregnen aus den Wolken unsere Turbinen und Generatoren antreibt. Sie ist also ebenso eine umgewandelte und teilweise gespeicherte Form der Sonnenenergie.
    Einzige Ausnahme sind hier Gezeitenkraftwerke. Die kinetische Energie der Gezeiten kommt nicht von der Sonne sondern von der Gravitation des Mondes.​​
  • ​Atomenergie: Mit dem was im allgemeinen Sprachgebrauch als Atomenergie bezeichnet wird, ist meist die Kernenergie gemeint, die beim Zerfall von radioaktiven Elementen frei wird. Im Kernreaktor wird dieser radioaktive Zerfall durch eine Kettenreaktion beschleunigt, sodass eine hohe Energiedichte entsteht. Dabei entstehen jedoch auch andere radioaktive Elemente, die zum Teil hochgiftig sind und über Jahrtausende weiter zerfallen und dabei eine energiereiche Strahlung abgeben, die für menschliches Leben absolut unverträglich ist. Die Menschheit hat bis heute noch keine Lösung dafür gefunden, was mit diesen Abfällen passieren soll. Sämtliche radioaktiven Abfälle der Welt liegen heute in streng bewachten Zwischenlagern ohne Aussicht auf eine sichere Lösung. Die gigantischen Kosten für den Betrieb dieser Lagerstätten wird bei der Berechnung der Kosten für die Kernenergie nicht berücksichtigt. Sonst wäre sofort klar, dass diese Form der Nutzung von Kernenergie auch wirtschaftlich nicht sinnvoll ist.
  • Geothermie: Die Erdwärme wird hauptsächlich aus früheren und aktuellen radioaktiven Zerfallsprozessen im Kern unseres Planeten gespeist. Da uns hier die Erdkruste wirksam vor den negativen Einflüssen der Radioaktivität schützt, ist die Nutzung der Geothermie eine saubere Form der Kernenergienutzung. Besonders in Verbindung mit Erd-Wärmepumpen kann diese Energie im Winter zum Heizen und im Sommer zum Kühlen verwendet werden. Dabei kann die Wärme, die im Winter dem Erdreich entzogen worden ist, diesem im Sommer wieder zurückgegeben werden. Hier hätten wir jedenfalls einen schadstofffreien Kreisprozess, der jedoch zusätzlich elektrische Energie für den Betrieb der Wärmepumpe benötigt - tja, das Perpetuum Mobile gibt's leider noch immer nicht.

Es bleiben also genau drei echte Primärenergiequellen auf der Erde übrig, das ist die Erdwärme, die Gravitationsenergie des Mondes und die Sonnenenergie.

Nutzen wir sie!