Bezirke
X Schliessen

Navigation:
am 9. Juni

Was jede(r) von uns zum Kampf gegen den Klimawandel beitragen kann

Franz Safar - Die Zahlen und viele der Formulierungen in diesem Artikel stammen aus dem Buch „Wie schlimm sind Bananen - Der CO2 Abdruck von allem“ von dem britischen Ökologie-Professor Mike Berners-Lee (Midas, ISBN 978-3-03876-535-6) und sind hier natürlich stark verkürzt dargestellt. Allen die tiefer in diese Materien eintauchen wollen möchte ich dieses Buch wärmstens empfehlen.

Grafik: Uli Wiesner

Der von Menschen gemachte Klimawandel wird durch den Ausstoß verschiedener Gase in die Atmosphäre verursacht. Das vorherrschende Treibhausgas ist Kohlendioxid (CO2). Es entweicht immer dann, wenn wir etwas Organisches verbrennen. Alle Arten fossiler Energieträger sind organische Substanzen. Sie sind vor Millionen von Jahren im Wege der Photosynthese aus Sonnenenergie, Wasser und dem CO2 aus der Luft entstanden. Andere Treibhausgase sind aber ebenso wichtig. Methan (CH4) wird vor allem in der Landwirtschaft und von Deponien abgegeben und seine Auswirkung auf das Klima ist 28mal stärker als CO2. Noch potenter sind Stickoxide (NOx), deren Auswirkung ist im selben Zeitraum 265mal stärker als jene von CO2 und bei Kühlgasen kommt man durchaus schon einmal auf den Faktor 1000.

Wir brauchen einen vergleichbaren Wert

Wenn wir nun die Beeinflussung des Klimas durch die unterschiedlichen Treibhausgase seriös bewerten wollen, ist es praktisch, die Auswirkungen der unterschiedlichen Produkte, auf die jeweils entsprechende Menge von CO2 mit der gleich schädlichen Wirkung im Laufe von 100 Jahren, umzurechnen. So erhalten wir einen Wert den wir als CO2e bezeichnen. Das steht für „carbon dioxide equivalent“, auf deutsch Kohlendioxid-Äquivalent oder CO2-Äquivalent. Auf diese Weise kann dann ein Liter Benzin (mit ca. 3,5 kg CO2e) mit einem Liter Kuhmilch (mit über 2 kg CO2e) verglichen werden. Wobei das CO2e von der Milch, im Gegensatz zum Benzin, einen hohen Anteil von umgerechnetem Methan enthält.

Die Problematik bei Fleisch ist ja heute weitgehend bekannt, aber die hohen Werte von Milch und Milchprodukten waren mir vor der Lektüre des Buches nicht bewusst. ​Dass für ein Kilogramm Käse – je nach Sorte – etwa 6,5 kg bis über 19 kg CO2e anfallen, hat mich schon sehr überrascht. Auch bei Fleisch ist die Bandbreite gewaltig: Von ca. 4 kg CO2e pro kg Hühnerfleisch, 10 kg beim Schwein, 21 kg für’s Lamm und 25 kg beim heimische Rind können auch über 83 kg CO2e pro kg importiertem Rindfleisch, anfallen.

Käse im Vergleich zum Fleisch (pro kg)

E-Bike oder Muskelkraft

​Die meisten Vergleiche in diesem Buch sind realistisch. Einige sind durchaus amüsant und zeigen dabei auch die Komplexität des Themas und wie schwierig es ist, konkrete Werte zu finden. So berechnet sich die Fahrt mit einem E-Bike mit ungefähr 2 bis 4g CO2e pro km. Die Produktion des Akkus schlägt sich dabei, über dessen Lebenszeit aufgeteilt, mit weniger als 0,5 g CO2e pro km zu Buche.
Wenn die Energie zur Fortbewegung des Fahrrads jedoch aus der Muskelkraft gewonnen wird, verbrennen wir durchschnittlich 32 Kalorien pro km. Dabei kommt es darauf an, in welcher Form diese Kalorien​ vorher dem Körper zugeführt worden sind. Bei Bananen, übrigens eine der günstigsten Varianten, sind es 25g CO2e pro km, bei Müsli mit Kuhmilch 44g, bei Schinkenspeck 120g und beim Cheeseburger fast 200g, also in jedem Fall wesentlich mehr als bei der Energie aus dem Akku.

Und wie ist das jetzt mit den Bananen?

Bananen wachsen direkt unter der Sonne, die Verpackung wächst gleich mit und sie sind so gut haltbar, dass sie mit wenig zusätzlicher Verpackung in großen Mengen mit dem Schiff transportiert werden können. Auch bei den Lebensmitteln ist fliegen das Schlimmste. Während Trauben die per LKW aus Spanien​ kommen mit etwas über ein kg CO2e pro kg belastet sind​, wären das über 18 kg CO2e bei Trauben die per Luftfracht aus​ Südafrika kommen.

Dass lokales Obst und Gemüse mit kurzen Transportwegen am Besten abschneidet versteht sich von selbst.

Was jede einzelne Person zur CO2e Reduktion beitragen kann ist individuell sehr verschieden. Das Wichtigste ist einen Überblick zu bekommen, was sich wie auswirkt. Niemand von uns will,  soll und kann auf alles verzichten was CO2e erzeugt, aber jede Person wird etwas finden, was ihr nicht so wichtig ist oder sogar durch bessere Alternativen ersetzt werden kann.

Für mich hat das Buch wertvolle Anregungen zur Reduktion meines eigenen CO2e-Abdrucks​ geboten, aber ich bin für jeden Hinweis auf weitere​ seriöse Quellen dankbar und freue mich auf eure Reaktionen an franz.safar@gruene.at​​