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am 23. Februar

So wird die Hütteldorfer Straße von der Durchzugsstraße zur Lebensader

Anneliese Kästner-Hejda, BAMA, Markus Pilgerstorfer - Wie kann es gelingen, aus der Betonwüste Hütteldorfer Straße eine grüne Wohlfühloase zu machen? Unsere Antwort: Alle Penzinger*innen sollen gemeinsam mit Planer*innen und Kaufleuten in einem speziellen Partizipationsprozess mitbestimmen!

... so könnte es dann aussehen.

Eine Idee, die polarisiert

Bereits im vergangenen Sommer warben wir intensiv um mehr qualitativen Lebensraum für alle Penzinger*innen. Sei es die Erweiterung des Reinlparks, die Vergrößerung des Matznerparks hin zur Volksschule oder die Ausdehnung des Ordeltparks in Richtung neu gestalteter Theodor-Körner-Kaserne. Das Ergebnis der Bezirksvertretungswahl gibt unseren Plänen recht. Mit 18,12 % (+ 3,12 % im Vergleich zur Wahl im Jahr 2015) spricht sich bereits knapp ein Fünftel der Bewohner*innen in unserem Bezirk für eine klimafreundliche Stadtplanung aus. Und jeden Tag werden es mehr, wie die Anfragen in unserem E-Mail-Posteingang zeigen.

Eine Idee wird aber ganz besonders kontrovers diskutiert. Unser Bestreben für die Errichtung einer begrünten, klimagerechten Begegnungszone in der Hütteldorfer Straße, von der Kendlerstraße stadteinwärts bis zur Bezirksgrenze (Beckmanngasse). Die Reaktionen auf unserem Facebookaccount reichen von großer Begeisterung für mehr Bäume und mehr Platz für Fußgänger*innen und Radfahrer*innen bis zur Befürchtung, dass es künftig zu wenig Parkplätze geben könnte.

Eine Betonwüste mit viel Potential

Für uns stellt sich das Tor zu Penzing, wie manche den genannten Straßenabschnitt gerne bezeichnen, als eine Betonwüste dar. Die Zählung des Baumbestands vor Ort zeigt ein trauriges Bild. Und auch im Wiener Baumkataster* scheinen je nach Zählart nur zwischen zwei und vier Bäume auf. Durch den praktisch nicht vorhandenen Grünbestand ist ein Verweilen nicht nur unattraktiv, sondern wird im Sommer sogar unmöglich – aufgrund des Klimawandels kommt es dort zu einer unerträglichen Hitze. Statt, wie es bei einer Straße dieser Bedeutung und Größe unbedingt nötig wäre, auf Bäume und Sträucher als Bio-Kühlanlagen gegen die Ausbildung von Hitze-Inseln zu setzen, zeigt sich die Hütteldorfer Straße heute als bloße Durchfahrtstraße mit Parkmöglichkeiten, resultierend aus einer veralteten Stadtplanung. Wir Grüne wünschen uns aber für den Abschnitt mehr. Die Straße soll ein Raum zum Verweilen, zum Freunde treffen und Entspannen sein, eben eine Lebensader für alle.

Die Vision

Stellen Sie sich vor, Sie treten aus der U-Bahn-Station Hütteldorfer Straße heraus ins Freie. Anstelle von motorisiertem Lärm hören Sie das Vogelgezwitscher, Kinderlachen beim Spielen und Menschen, die sich nach einem Einkaufsbummel oder bei einem Afterwork-Getränk im Kaffeehaus unterhalten. Anstelle von Autoabgasen riechen Sie nun frisch blühende Sträucher und Bäume und den Duft aus Bäckereien und Restaurants. Selbstverständlich gäbe es auch viele nicht-kommerzielle Sitzmöglichkeiten und ausreichend gratis Wasserspender, durch die man seinen Durst an heißen Sommertagen stillen kann.

Der Wirtschaft tät‘s gut

Manch eine*r mag wohl denken, diese Vision sei bloß ein Hirngespenst und unmöglich. Aber bitte denken Sie doch einmal daran, welche Befürchtungen und Hindernisse es gab, bevor es zur Neugestaltung der Inneren Mariahilfer Straße kam. Heute jedoch mag sie niemand mehr missen. Sogar die Wirtschaftskammer erkennt mittlerweile, dass Begegnungszonen die Kaufkraft nicht verringern, sondern – im Gegenteil – deutlich erhöhen. Eine verkehrsberuhigte Hütteldorfer Straße würde zum Flanieren und Einkaufen einladen und die Penzinger Wirtschaft fördern.

Alle sollen mitreden

Was würde aber mit dem Autoverkehr passieren? Die Befürchtung, dass sich dieser in Seitenstraßen verlagert und die Sorge um eine Verringerung der Parkmöglichkeiten vor der eigenen Haustüre sind nachvollziehbar. Grundsätzlich ist aber davon auszugehen, dass der motorisierte Individualverkehr in den Städten in den nächsten Jahrzehnten abnimmt. Einerseits, weil der Trend immer mehr weg von dem eigenen Auto und hin zur Benutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln und Carsharing-Angeboten geht. Andererseits, weil eine Bekämpfung des Klimawandels nur mit einer Verringerung des Autoverkehrs gelingt. Nichtsdestotrotz wird es aber natürlich auch, wie bei der Mariahilfer Straße, intelligente Verkehrslösungen brauchen. Diese kann es nur geben, wenn vor allem die Anrainer*innen zu Wort kommen. Wir setzen uns daher für einen umfassenden Partizipationsprozess zur Umgestaltung der Hütteldorfer Straße ein. Das soll im Rahmen der „Lokalen Agenda 21 Plus“ stattfinden – ein weltweit angewandtes Nachhaltigsprogramm für die lokale Ebene, das auf Initiative der Grünen Penzing nun auch in unserem Bezirk an Fahrt aufnehmen soll.

Bis es so weit kommt, schreiben Sie uns doch Ihre Ideen unter penzing@gruene.at


Wiener Baumkataster: https://www.wie​n.gv.at/umweltgut/public/​​​