Die Frauen-Karte von Penzing

Schon mal darüber nachgedacht, nach wem die Straßen in Penzing benannt sind? Und wie viele der Namensgeber*innen eigentlich Frauen sind? Da ich mehr darüber wissen wollte, habe ich mich auf die Suche begeben. Daraus entstand die Frauen-Karte von Penzing.
Zusammengezählt beträgt die Summe aller Plätze, Wege, Straßen und Gassen, also Verkehrsflächen in Penzing 464. 254 davon sind nach Männern benannt (54%). Dazu kommen 189 (40%), die den Namen von Orten, Blumen oder Planeten tragen. Doch kann es sein, dass tatsächlich nur 26 Straßen/Wege/Gassen und Plätze, genau gesagt 5,6% nach Frauen benannt sind? Das wären dann traurige 5,6%! Wie kann das sein? Und wie sieht es in den anderen Wiener Bezirken mit weiblichen Straßennamen aus?
Tatsächlich sind in ganz Wien nur 13% der Straßen
nach Frauen benannt.
26 Frauennamen für die Frauen-Karte von Penzing

26 Frauennamen auf Penzings Straßen also… Doch welche Namen haben sie? Kennt man die Namensgeberinnen? So mache ich mich auf den Weg durch Penzings Straßen und erfahre so einiges.
Persönlich kenne ich den Namen der Schauspielerin Lotte Lenya, die ihren Namen einem Platz in Breitensee gibt, und den wir in der Frauen-Karte von Penzing vermerken. Eine Platte Kurt Weills Dreigroschenoper in meinem CD-Regal zeigt ihren Namen in Großbuchstaben und ihre Interpretation der Seeräuber-Jenny ist ja legendär.
Lotte Lenya
Doch wer war sie und wieso wird der Lotte-Lenya-Platz in Penzing nach ihr benannt? So erfahre ich, dass sie in der Ameisgasse 38 geboren und aufgewachsen ist.
Als 15-Jährige kam Lotte Lenya (eigentlich Karoline Wilhelmine Charlotte Blamauer, 1898–1981) zu ihrer Tante nach Zürich, wo sie als Tänzerin tätig war. Dort lernte sie den Komponisten Kurt Weill kennen, sie wurden ein Liebespaar und feierten gemeinsam einige seiner Uraufführungen.
Nach ihrem großen Durchbruch in der Dreigroschenoper lebte sie mit Kurt Weill in den USA. Erst nach Weills Tod und nach dem 2. Weltkrieg kam sie für Aufführungen nach Deutschland zurück. In den 60er Jahren feierte sie auch in Hollywood einige schauspielerische Erfolge. Besonders bekannt wurde sie in der Rolle der Ex-KGB-Offizierin Rosa Klebb in dem James-Bond-Film Liebesgrüße aus Moskau (1963). Ihr Grab ist in New York neben Kurt Weills.

Wilhelmine Montléart-Sachsen-Curland
In Breitensee befinden sich noch zwei weitere Adressen, nämlich die Poschgasse und die Montleartstraße. Sowohl Maria Anna von Posch als auch Wilhelmine Montléart-Sachsen-Curland waren wohlhabende Damen, die Teile Penzings in Besitz hatten.
So die im 19. Jahrhundert in Dublin geborene Wilhelmine Fitzgerald: Mit zehn Jahren Vollwaise, lebte sie ab dem Zeitpunkt im Haus der Baronin Iffinger-Wildegg. Nach ihrer Eheschließung wurde sie zur Fürstin Wilhelmine Montléart-Sachsen-Curland und verkehrte bei Hof und in Gesellschaftskreisen.
Als Witwe führte sie ein zurückgezogenes Leben und stiftete große Beträge für karitative Zwecke; 1888 spendete sie 150.000 Gulden zum Bau des Wilhelminenspitals – das wären heute historisch umgerechnet rund 2 Millionen Euro. Dieses Krankenhaus ist ebenso nach ihr benannt wie der Wilhelminenberg, die Wilhelminenstraße in Ottakring und die Curlandgasse in Hernals.
Im Baumgarten, um den Friedhof herum, finde ich drei weitere Adressen: den Käthe-Jonas-Weg, den Tina Blau Weg und die Schamborgasse.
Die in Freistadt geborene Käthe Jonas wurde während der NS-Zeit verhaftet. Nach 1945 kam sie zuerst in die Bezirksorganisation der SPÖ Penzing als Sektionsfrauenleiterin und wurde schließlich zur stellvertretenden Leiterin der Wiener SPÖ-Frauen gewählt. Von Mai 1946 bis Dezember 1954 war sie Bezirksrätin in der Bezirksvertretung Penzing, danach wurde Käthe Jonas zur Gemeinderätin. Dort wirkte sie vor allem in den Gemeinderatsausschüssen für öffentliche Einrichtungen und für Gesundheitswesen.
Nach ihr benannt ist auch der Käthe Jonas Hof in der Waidhausenstraße 28, ein Gemeindebau aus den 60er Jahren.

Tina Blau
Gleich um die Ecke finde ich auf der Frauen-Karte von Penzing einen kleinen Weg mit den Namen Tina-Blau-Gasse.
Tina Blau (1845–1916) war eine der bedeutendsten österreichischen Malerinnen. Sie lebte Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts und begründete den Stil des österreichischen Stimmungsimpressionismus. In Wien gründete sie 1897 mit Olga Prager und Rosa Mayreder die Kunstschule für Frauen und Mädchen, an der sie auch selbst unterrichtete – zu dem Zeitpunkt etwas völlig Neues. Die Schule gab es in dieser Form bis zur Machtübernahme der Nationalsozialisten.
Von Tina Blaus Unterstützung für junge Künstlerinnen können wir uns auch heute noch einiges abschauen.

Margaretha und Rosina Schambor
Wenn man den Friedhof durchquert, findet sich auf der untersten Seite die Schamborgasse, nach den Schwestern Margaretha und Rosina Schambor benannt.
Nach dem Hungerwinter 1847/48 war die wirtschaftliche Not enorm. Dazu kam die Wut auf das überkommene politische System unter Ferdinand I und dem Staatskanzler Metternich.
Am 13. Oktober 1848 brach in Österreich die Revolution aus: Aufstände, Anschläge und Proteste brachten viele Opfer, zu ihnen gehörten auch Margaretha und Rosina Schambor, nach denen diese schmale Gasse benannt ist. Die Wäscherin Margaretha war 30, als sie in der Kirchengasse erschossen wurde. Ihre Schwester und Dienstmagd Rosina starb mit 26 im Krankenhaus, ebenfalls an einer Schussverletzung.
So wurde um 1929 der Achtundvierzigerplatz zur Erinnerung an die Opfer der Märzrevolution 1848 geschaffen und die Gassen im umliegenden Viertel namentlich nach einigen der Gefallenen benannt.

Cornelia Giese
Im südlichen Teil Penzings, schon fast am Wiental, finden wir auf der Frauen-Karte von Penzing in der Weinzierlgasse einen Platz vor einer Pizzeria mit dem Namen Cornelia-Giese-Platz, benannt nach der Jazzsängerin, Komponistin und Musikpädagogin Cornelia Giese (1959–2000). Sie zählte mit ihrer ausdrucksstarken Stimme zu den innovativsten Jazzsängerinnen Österreichs.
Giese war Mitglied des Vienna Art Orchestra und in der heimischen Szene gut etabliert. Als Klavier- und Gesangspädagogin war sie u.a. in ihrem Wohnbezirk Penzing tätig und vermittelte ihr Wissen in zahlreichen Jazz-Workshops. Ihre einzige zu Lebzeiten erschienene CD Rainsong mit zum Teil selbst komponierten Titeln veröffentlichte sie erst 1997.

Käthe Dorsch
Eine weitere Adresse befindet sich in der Hackingerstrasse, die parallel zur Hadikgasse verläuft. Zwischen einer Reihe von Wohnhäusern quert nun die Käthe-Dorsch-Gasse, benannt nach der deutschen Schauspielerin Käthe Dorsch (1890–1957); sie kam 1927 nach Wien und spielte zunächst am Volkstheater, von 1939 bis zu ihrem Tod am Burgtheater.

Hersch & Dwoire Weinfeld
In der Nähe des Bahnhofs Hütteldorf sind vergleichsweise viele Gassen zu finden, die nach Frauen benannt sind:
Der Weinfeldweg auf der Frauen-Karte von Penzing ist nach dem Ehepaar Hersch & Dwoire Weinfeld benannt, das 1942 in das KZ Theresienstadt deportiert wurde und wo beide umkamen.
Die Helene-Odilon-Gasse, benannt nach der Schauspielerin Helene Odilon (1863–1939); sie galt als eine der interessantesten Schauspielerinnen ihrer Zeit und wurde auch in England und in den USA gefeiert.

Julie Brudermann
Die Brudermanngasse nach Julie Brudermann (1813–1857); sie errichtete 1856 testamentarisch eine Stiftung für das Hütteldorfer Armenhaus. Die Stiftung existiert noch heute als Julie Brudermann’sche Stiftung, ist mit ca. 200.000 Euro dotiert und unterstützt Bewohner*innen der Wiener Obdachlosenheime.
Neben ist die Rettichgasse, deren Name auf die Burgtheater-Schauspielerin Julie Rettich (1809–1866) zurückgeht.

Christine Hebbel
In Richtung Skaterpark Hütteldorf und nahe der Bergmillergasse ist der Christine-Enghaus-Weg, nach der deutschen Schauspielerin Christine Hebbel benannt (eigentlich Johanne Louise Christine Engehausen, 1817–1910, Pseudonym Christine Enghaus). Zuerst spielte sie in Deutschland. Erst 1840 kam sie nach Wien, wo sie bis 1875 am Burgtheater wirkte. Als sie den Dichter Friedrich Hebbel heiratete, kümmerte sie sich auch um dessen frühere Geliebte Elise Lensing und holte diese 1847 nach Wien. Eine tiefe Freundschaft entstand zwischen den zwei Frauen. Nach Hebbels Tod setzte sich Christine bis zu ihrem Lebensende erfolgreich für die Verbreitung seiner Werke ein.

Elisabeth Marie von Österreich
Unser Weg führt weiter über die Hüttelbergstraße bis zu einer der kleinsten Gassen Penzings – eigentlich handelt es sich dabei nur um eine Brücke über den Halterbach neben der Bujattigasse.
Die Elisabeth-Petznek-Gasse wurde erst 1998 nach Elisabeth Marie von Österreich (1883–1963) benannt. Sie war Tochter des Kronprinzen Rudolf und bis 1919 Erzherzogin. 1925 trat sie der Sozialdemokratischen Partei Österreichs bei und ging so als „die rote Erzherzogin“ in die Geschichte ein. Ab 1930 wohnte sie mit ihrem zweiten Ehemann, dem Politiker Leopold Petznek, in einer Villa in Hütteldorf. Da Elisabeth Marie nach ihrer ersten Ehe mit Otto zu Windisch-Graetz zeitweise dessen Familiennamen führte, ist die Villa heute als Windisch-Graetz-Villa bekannt.

Paula Preradović
In Richtung Dehnepark befindet sich auch die Preradovicgasse (Hütteldorf), 1954 benannt nach der Lyrikerin und Schriftstellerin Paula Preradović (1887–1951). Sie war die Frau des Historikers und Journalisten Ernst Molden und ist die Mutter des Verlegers Fritz Molden. 1947 verfasste Paula Molden die sich auf Österreich beziehenden Verstexte Land der Berge, Land am Strome. Durch Beschluss des Ministerrats wurde dieses Gedicht zum Text der Bundeshymne der 1945 gegründeten Zweiten Republik Österreich erhoben.

Gisela von Bayern
Im westlichen Hadersdorf versammeln sich vier Wege, die nach vier Frauen benannt sind: Königin Gisela von Bayern, Schriftstellerin und Kulturhistorikerin Hermine Cloeter, Gemeinderätin Antonie Platzer und Primaballerina Julia Drapal-Pintar.
Steil hinauf führt uns der Weg ins ruhige und grüne Penzing, in das Gebiet Steinhof. Dort sucht man ein wenig, bis ein kleiner Teich zu sehen ist. Auf der hinteren Seite liegt der Andayweg, benannt nach der ungarischen Mezzosopranistin Rosette Anday (1903–1977). Geboren in Budapest, studierte sie Violine und Gesang. Sie debütierte 1921 mit nur 18 Jahren an der Wiener Staatsoper mit der Oper Carmen von Georg Bizet.
Ab 1938 durfte sie wegen ihrer jüdischen Herkunft nicht mehr an der Staatsoper auftreten. Doch nach dem 2. Weltkrieg bis 1961 hatte sie regelmäßige Auftritte, sowohl in der Staatsoper als auch bei den Salzburger Festspielen und an ausländischen Opernhäusern. In ihrem Wohnort Pressbaum ist die Rosette Anday Straße nach ihr benannt.

Eugenie Goldstern
Nach einer kleinen Wanderung ist nun der höchste Punkt erreicht. Von hier genießt man eine wunderschöne Aussicht, die Luft ist rein und die Temperaturen sind eindeutig geringer. In der Siedlung „Kordon“ ist nun auf der Frauen-Karte von Penzing die Goldsterngasse zu finden. 1953 nach der Pflanzengattung Gelbsterne aus der Familie der Liliengewächse benannt, wurde sie 2011 umbenannt. Eine kreative Lösung für eine kostengünstige Umbenennung:
Und zwar bezieht sich die jetzige Benennung auf die Volkskundlerin Eugenie Goldstern (1883–1942). Die jüdische Ethnologin Eugenie Goldstern, geboren in Odessa, Ukraine, kam mit ihrer Familie auf der Flucht vor Pogromen in der Ukraine 1905 nach Wien. Goldstern studierte Ethnologie.
Eine Promotion in Wien war aufgrund ihrer jüdischen Herkunft nicht möglich, so promoviert sie im Jahr 1921 in der Schweiz. Sie arbeitete als unabhängige Privatgelehrte und erforschte die vormoderne alpine Lebensweise in Savoyen, im Wallis, Graubünden und Aosta Tal. Als Frau und Jüdin blieb ihr aber eine Anstellung am Museum für Volkskunde untersagt.
Am 14. Juni 1942 wurde Eugenie Goldstern aus Wien deportiert und kam in das Durchgangslager Izbica, von wo sie in eines der Vernichtungslager gebracht und dort ermordet wurde.

Klara Weingarten
Klara Weingarten
*12. September 1909 in Budapest, Österreich-Ungarn
†12. Juli 1973 in Wien
Vor dem Hanusch-Krankenhaus befindet sich eine kleine Grünfläche mit einigen Tischen und Bänken zum Verweilen. Seit 2023 trägt sie den Namen Klara Weingartens, einer österreichischen Neurologin.
Sie wuchs in Budapest auf. 1927 begann sie ihr Medizinstudium an der Universität Wien und wurde 1933 promoviert. Im selben Jahr erhielt sie die österreichische Staatsbürgerschaft. Sie hospitierte an der Medizinischen Universitätsklinik im Wiener Allgemeinen Krankenhaus und arbeitete anschließend an der Wiener städtischen Nervenheilanstalt am Rosenhügel. 1938 suchte sie um den Facharzttitel an, wurde jedoch nach dem „Anschluss“ Österreichs im März 1938 aus rassistischen Gründen entlassen.
Weingarten gelang die Flucht nach Uruguay, wo sie an der psychiatrischen Klinik in Montevideo als Assistenzärztin arbeiten konnte.
Nach ihrer Rückkehr nach Österreich erhielt sie 1947 den Facharzttitel. Sie arbeitete bei der Wiener Gebietskrankenkasse als angestellte Konsiliarprimaria am Hanusch-Krankenhaus und parallel dazu als unbezahlte Assistentin an der psychiatrisch-neurologischen Universitätsklinik.
Textquelle – https://de.wikipedia.org/wiki/Klara_Weingarten
Bildquelle – https://ub.meduniwien.ac.at/blog/?tag=klara-weingarten

Elfriede Stumpf
Elfriede Stumpf
* 11. Mai 1921 in Wien
† 14. Mai 2017 ebenda
2023 wurde die zuvor als Steinhofer Park bekannte Grünfläche vor dem Otto-Wagner-Spital in Elfriede-Stumpf-Park umbenannt. Sie ist nach der österreichischen Malerin, Grafikerin und Designerin Elfriede Stumpf benannt.
Die Tochter eines Kalkulanten aus Marienbad wuchs in Wien-Währing auf. Nach der Matura an der Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt in Wien-Penzing studierte sie an der Akademie der bildenden Künste Wien. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs begann die damals 24-Jährige als akademische Malerin und Grafikerin zu arbeiten. Aquarelle, Ölbilder sowie Arbeiten in Tempera, Sepia und Tusche zählten ebenso zu ihrem Werk wie künstlerische Buchausstattungen, die Gestaltung von Tapisserien und Briefmarken.
1954 erhielt Elfriede Stumpf den Auftrag zur kalligrafischen Gestaltung der Weltfriedenspreis-Urkunde für den Filmschauspieler Charles Chaplin. Danach arbeitete sie als Illustratorin für Zeitungen und Buchverlage. Darüber hinaus übernahm sie Auftragsarbeiten für Exlibris- und Einbandentwürfe sowie wiederholt künstlerische Ausgestaltungen von Sakralbauten.
Sie entwarf Buntglasfenster für zahlreiche österreichische Kirchen. Ein bedeutender Auftrag war 1964 die Gestaltung von 23 Buntglasfenstern für die Schwesternkapelle im Pavillon Hermann des Pulmologischen Zentrums (heute Teil der Klinik Penzing) in Wien-Baumgarten. Dabei handelte es sich um die figurale Ausgestaltung der drei Mittelfenster mit einer Fläche von insgesamt 70 m² aus farbigem Glas.
Auch die Sonderbriefmarkenserie „Domestic Animals“ des arabischen Emirates Sharjah & Dependencies (heute Teil der Vereinigten Arabischen Emirate) stammt von ihr. Anfang der 1980er-Jahre zog sich Elfriede Stumpf aus dem Kunstschaffen zurück. Sie starb im Alter von 96 Jahren in Wien.
Textquelle – https://de.wikipedia.org/wiki/Elfriede_Stumpf
Bildquelle – Copyright https://www.graffitimuseum.at/

Hilde Sochor
Hilde sochor
* 5. Februar 1924 in Wien
† 31. Mai 2017 ebenda
Das begrünte Dreieck in Penzings „Down Town“ zwischen Hütteldorfer Straße, Reinlgasse und Breitenseer Straße wurde 2021 nach der Schauspielerin Hilde Sochor benannt.
Sie wuchs in den 1920er- und 1930er-Jahren bei ihrer Mutter in Breitensee auf. Nach der Matura begann sie ein Studium der Publizistik, Theaterwissenschaft und Germanistik, das sie 1948 mit dem Doktorat abschloss. Bereits als Studentin nahm Sochor am Prayner Konservatorium Schauspielunterricht bei Leopold Rudolf und Wolfgang Heinz; auch die Schauspielprüfung legte sie dort 1948 ab.
Noch im selben Jahr debütierte sie an den Wiener Kammerspielen, 1949 wurde sie an das Volkstheater engagiert. Ihre Antrittsrolle war das Annerl in Anzengrubers „Pfarrer von Kirchfeld“. Am Volkstheater spielte sie zunächst Stücke von Anzengruber, Nestroy und Raimund. Zudem gastierte sie in Deutschland.
Später gelang Hilde Sochor der Übergang zu großen Volksstück-Rollen österreichischer Autoren sowie zu Werken von Brecht, Ibsen, Hauptmann, Wedekind und Ferdinand Bruckner. Bis 1993 leitete sie die von ihr mitbegründete Schauspielschule des Volkstheaters. Darüber hinaus wirkte sie in zahlreichen Fernsehproduktionen mit.
Zu ihren zahlreichen Auszeichnungen zählen:
1978: Goldenes Verdienstzeichen des Landes Wien
1983: Verleihung des Berufstitels „Professor“
1989: Ernennung zur Kammerschauspielerin
1989: Nestroy-Ring der Stadt Wien
1990: Sonderpreis des Karl-Skraup-Preises
1991: Karl-Skraup-Preis
2000: Ehrenmedaille der Bundeshauptstadt Wien in Gold
2004: Goldenes Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien
2008: Nestroy-Theaterpreis für ihr Lebenswerk
Zu Hilde Sochors 80. Geburtstag im Jahr 2004 drehte ihr Sohn Paulus Manker die Dokumentation „Das Leben brennt heut’ wieder sehr!“ über seine Mutter. 2012 veröffentlichte der Amalthea-Verlag unter dem Titel „Kinder, Küche, Bühne“ Sochors Biografie.
Bildquelle: https://oe1.orf.at/artikel/634215/Volkstheater-Doyenne-Hilde-Sochor-mit-93-Jahren-verstorben
Textquelle – https://de.wikipedia.org/wiki/Hilde_Sochor

jutta steier
* 23. Jänner 1943 in Wien
† 25. April 2017 ebenda
Seit 2022 gibt es auf dem ehemaligen Areal der Theodor-Körner-Kaserne auf 1,5 Hektar Grünfläche einen Erholungsraum mitten im Wohnprojekt „Quartier Breitensee“ mit dem Namen Jutta-Steier-Park. Benannt ist er nach der Schneiderin und Kommunalpolitikerin Jutta Steier.
Die jüngere Schwester des Politikers Peter Schieder erlernte zunächst den Beruf der Schneiderin. Bereits als Jugendliche engagierte sie sich für die Sozialdemokratie: Zunächst trat sie der Sozialistischen Jugend bei, 1960 der SPÖ Penzing.
1981 wurde Jutta Steier Bezirksrätin in Penzing. Von 1989 bis 1992 war sie stellvertretende Bezirksvorsteherin. 1992 wurde sie zur Bezirksvorsteherin von Penzing gewählt und war damit die erste Frau in dieser Funktion.
In ihre neunjährige Amtszeit fielen unter anderem Maßnahmen im öffentlichen Verkehr wie die Verlängerung der U3 und die Verdichtung von Busfahrplänen, der Neubau der Schule am Kinzerplatz, die Eröffnung der Städtischen Bücherei in der Hütteldorfer Straße 130, der Ausbau des Kanalnetzes am Stadtrand sowie der Beginn der Renaturierung des Wienflusses.
Textquelle – https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Jutta_Steier
Bildquelle – copyright media wien

Hannelore Burger
Hannelore Burger
*10. Februar 1946 in Berlin
†20. November 2017 in Wien
2024 wurde die Hannelore-Burger-Brücke in Wien-Penzing nach der Historikerin benannt.
Siehe dazu auch unseren aktuellen Artikel:
https://penzing.gruene.at/news/gruene-erfolge/dr-karl-lueger-bruecke-heisst-ab-jetzt-hannelore-burger-bruecke/
Hannelore Burger wurde als Hannelore Bartell in Berlin geboren. Die ausgebildete Buchhändlerin lebte seit 1973 in Penzing. Auf dem zweiten Bildungsweg studierte sie Geschichte und Philosophie an der Universität Wien.
In ihrer Dissertation (1993) beschäftigte sie sich mit dem Thema „Sprachenrecht und Sprachgerechtigkeit im österreichischen Unterrichtswesen 1867 bis 1918“, nachdem sie bereits 1987 ihre Diplomarbeit mit dem Titel „Über das Problem der Staatssprache […] in der habsburgischen Monarchie 1880–1900“ verfasst hatte. 1995 wurde ihre Dissertation im Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften publiziert.
Von 1995 bis 2006 hatte sie einen Lehrauftrag am Institut für Geschichte der Universität Wien inne. Ihre Forschungsschwerpunkte lagen im Bereich Sprachenrecht, Passwesen und Staatsbürgerschaftsrecht in der späten Habsburgermonarchie. Bereits 1991 veröffentlichte die Historikerin mit „Maschinenzeit – Zeitmaschinen“ eine Geschichte des Technischen Museums.
Von 1998 bis 2003 war Hannelore Burger Mitglied der 160-köpfigen Historiker:innenkommission, die im Auftrag der Bundesregierung unter dem Vorsitz des späteren Justizministers Clemens Jabloner den Vermögensentzug während der NS-Zeit sowie Rückstellungen und Entschädigungen seit 1945 in Österreich erforschte. Dort arbeitete sie im Themenbereich „Die Praxis der Vollziehung des Staatsbürgerschaftsrechts an den Juden“. Diese Forschungen bildeten die Grundlage für ihre 2014 erschienene Monografie „Heimatrecht und Staatsbürgerschaft österreichischer Juden vom Ende des 18. Jahrhunderts bis in die Gegenwart“.
Bildquelle – https://share.google/PwGxmwf9CxyxsO7Of
Textquelle – https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Hannelore_Burger
Das waren 26 stark zusammengekürzte Kurzporträts von 26 beeindruckenden Frauen, denen man mit diesen wenigen Zeilen eigentlich nicht gerecht wird. Ihr findet die Straßen auf der Frauen-Karte von Penzing. Aber irgendwo müssen wir anfangen, um zu zeigen: Es muss etwas getan werden.
Hier haben wir 26 Straßen, die mehr Aufmerksamkeit brauchen. Und vor allem haben wir 26 Straßen, die mehr werden müssen. Dass Umbenennungen nicht sehr oft durchgeführt werden, weil diese für den Bezirk kostspielig und mit einem großen Aufwand verbunden sind (vom Austausch der Straßentafeln bis hin zu den Dokumentenänderungen der Anrainer*Innen) kann als alleinige Entschuldigung für dieses klare und problematische Ungleichgewicht nicht gelten.