Interview mit Lena Schilling

Lena Schilling beim Bundeskongress in Graz

Beim vergangenen Bundeskongress in Graz haben die Grünen ihre Liste für die kommende Europawahl im Juni erstellt. Zur Grünen Spitzenkandidatin wurde die 23-jährige Klimaaktivistin Lena Schilling gewählt. Nach dem Kongress stand sie in einem Interview Rede und Antwort.

Ich muss gestehen, wenn ich an den Moment zurückdenke, in dem das Ergebnis verkündet wurde, dann hab ich immer noch ein wenig Gänsehaut. Ich hab natürlich eine Vorstellung davon gehabt, wie ein Bundeskongress abläuft. Aber dann gleich mit so einem Ergebnis das Vertrauen von so vielen Menschen zu bekommen. Das ist schon was ganz Besonderes und ich bin sehr, sehr dankbar, dass mir das so viele Menschen zutrauen. Ich freu mich, dass wir diesen Weg in den kommenden Wochen und Monaten gemeinsam gehen.

Also ich bin mir schon bewusst, dass das jetzt eine intensive Zeit wird und fad wird mir nicht oft werden. Aber natürlich schau ich, dass ich Zeit finden werde für meine Freund:innen, meine Familie, meine Hobbys und vor allem für meine beiden Katzen. Das ist mir wichtig und das muss ab und zu drin sein. Und außerdem freue ich mich schon auf den Wahlkampf und die Wahlauseinandersetzung, vor allem mit so vielen motivierten und engagierten Mitstreiter:innen im Rücken. Gemeinsam werden wir das bestimmt rocken!

Was mir besonders gefällt: Das Team ist vielfältig und bringt ganz unterschiedliche Perspektiven mit. Über Tom Waitz und sein Wissen rund um das Europaparlament muss man nicht mehr viel sagen, denke ich. Ines Vukajlović bringt ihre Expertise etwa bei der Sozialpolitik und Integration und ihre Erfahrungen aus dem Landtag mit und auch alle anderen Kandidat:innen bringen tolle Stärken ein. Ich fühl mich mit den Menschen, die mit mir gemeinsam auf der Liste stehen auf jeden Fall sehr wohl und freu mich schon auf den gemeinsamen Kampf für unser Klima und gegen den Rechtsruck in Europa.

Da könnte ich jetzt stundenlang drüber reden aber ich versuch es mal halbwegs knapp. Eine gute Zukunft heißt für mich, dass wir mit dem Klima und unserem Planeten so umgehen, dass wir unseren Kindern und Enkelkindern eine intakte Natur, gesunde Böden und eine saubere Umwelt hinterlassen. Und ich wünsche mir möglichst viel Freiheit. Damit meine ich, dass sich jeder Mensch in Europa aussuchen kann, wo er lebt, mit wem er lebt, wie er lebt, an was er glaubt und was er im Leben erreichen will.

Dem muss ich leider definitiv zustimmen. Und das ist sicher auch ein Mitgrund, warum ich jetzt bei der EU-Wahl antrete. Ich bin 23 und kenne nur das gemeinsame Europa ohne Grenzen. Und ganz ehrlich: Ich will es auch nicht anders kennenlernen müssen. Aber klar, man sieht die Bilder aus Italien, wo auf offener Straße der Faschistengruß gezeigt wird. In Deutschland planen AFD und Identitäre die Deportation von Staatsbürger:innen und Herbert Kickl phantasiert von Fahndungslisten, auf die er seine politischen Kontrahenten schreiben will. Da ist es Zeit aufzustehen und zu sagen: Stopp, es reicht. In diese nationalistische
Kleingeistigkeit darf sich Europa nicht rückentwickeln. Das bringt nur Unheil. Ich stehe für ein offenes, feministisches und gerechtes Europa und ich werde eine ganz klare Kante gegen die Rechtsextremen zeigen, die unsere hart erkämpften Freiheiten angreifen.

Ich glaub, es steht mir überhaupt nicht zu, die anderen Kandidaten zu beurteilen. Aber ich denke schon, dass ich andere Perspektiven mitbringe. Die eine ist die der Zivilgesellschaft und der Jugend, die sich um die Zukunft unseres Planeten Sorgen macht. Die andere ist die Perspektive einer Frau. Und beide Perspektiven gehören unbedingt auch dorthin, wo politische Entscheidungen getroffen werden, also auch ins Europaparlament. Denn dort wo Gesetze für so viele Menschen gemacht werden, dort soll auch die Vielfalt der Menschen abgebildet sein.

Dass wir viel zu gewinnen haben und gemeinsam ganz vieles schaffen können. Mir ist schon bewusst, dass der Gegenwind momentan ein bisschen rauer ist, als es vielleicht 2019 der Fall war. Aber die vergangenen Jahre haben gezeigt: Echten Klimaschutz, den gibt es nur mit den Grünen. Und ich finde, darauf dürfen die Grünen auch durchaus stolz sein. Stärken wir einander, halten wir uns gegenseitig den Rückenfrei und ziehen wir gemeinsam an einem Strang. Dann wird das alles gut hinhauen, da bin ich mir sicher.