Boden-versiegelung

die tyrannei der kleinen Entscheidungen

Brauchen wir alle paar Meter einen Supermarkt oder einen Großmarkt mit riesigen Parkplatzasphaltwüsten? Allein dafür scheint die Bodenversiegelung schier unaufhaltsam zu sein. Mit dem Verweis darauf, dass die Bevölkerung nun einmal wachse und es deshalb mehr Platz und eine engmaschige Versorgung brauche, macht man es sich jedenfalls zu leicht. Denn der Flächenverbrauch steigt mehr als doppelt so schnell wie die Bevölkerung. 

Seit 2001 nahm der Flächenverbrauch in Österreich um 27 Prozent zu, die Bevölkerung aber nur um 10,4 Prozent. Hochpreisige Eigentumswohnungen, die auf mitunter sehr artenreichen Brachen errichtet werden, hier, ein Großmarkt in der Peripherie dort, eine Zufahrtsstraße und dazu Parkplätze – am Ende ist viel Fläche versiegelt und Bezirke werden zersiedelt. Zudem hat Österreich mit 15 Metern Straße pro Kopf eines der dichtesten Straßennetze Europas. Brauchen wir all das wirklich?

Diese Entwicklung ist besonders in Wiens Randbezirken schwer aufhaltbar, die Stadt wächst nach außen, und das trotz großen Leerstands im innerstädtischen Gebiet. Kirsten von Elverfeldt, Geografin an der Universität Klagenfurt, schlug kürzlich gemeinsam mit anderen Wissenschaftler:innen Alarm. Eine »Tyrannei der kleinen Entscheidungen« führe zu einem völlig unkontrollierten Bodenverbrauch und zum Verlust enorm großer Flächen. Und je mehr Fläche verbraucht wird, desto mehr ist auch die Artenvielfalt bedroht. Laut dem WWF-Biodiversitätsexperten Bernhard Kohler sind 83 Prozent der Arten und Lebensräume in Österreich in einem schlechten Zustand, ein Drittel der Arten gilt als gefährdet. 

fehlendes gesamtkonzept

In Penzing fehlt ein Gesamtkonzept für den Bezirk, langsam aber stetig wird fleckerlteppichartig immer mehr Boden versiegelt. Beispielsweise wird aktuell auf einem 47.000 m2 großen Grundstück, das im Besitz der Stadt Wien und der Asfinag ist und direkt an den artenreichen Lainzer Tiergarten grenzt, ein Gastronomie-Großmarkt gebaut. Dieser soll in erster Linie mit Klein-LKW die Innenbezirke beliefern.

Was bedeutet das für Penzing? Es werden viele Bäume und Gebüsche entfernt, die an das wertvolle Naturschutzgebiet grenzen und der Tierwelt Lebensraum bieten. Der Verkehr wird massiv ansteigen, Westeinfahrt und -ausfahrt werden noch mehr überlastet. Und öffentlich erreichbar ist der Standort ohnehin nicht. 

Wirtschaftsstandort Penzing?

Auch nicht für die rund 250 Mitarbeiter:innen, die entsprechend eigene Parkplätze bekommen. Insgesamt wird es 275 PKW-Stellplätze geben, zur Warenanlieferung mit Sattelschleppern sind 28 Plätze vorgesehen. Ob ein Betrieb dieser Art qualitativ hochwertige Arbeitsplätze für Penzinger:innen inklusive Weiterbildung und Aufstiegschancen bietet, darf zudem bezweifelt werden.

Was hat der Bezirk von diesem Großmarkt mit der üblichen Massenware für die Gastronomie? Die Mieteinnahmen für das Grundstück erhalten allein die Asfinag und die Stadt Wien, den Zuwachs an LKW-Verkehr müssen aber die Bürger:innen ausbaden. Und wieder wird Fläche auf einem brachliegenden Grundstück versiegelt anstatt sie der Natur zurückzugeben.

Skip to content