Öffentlicher Raum: Endlich gestalten statt nur verwalten

So begrüßenswert die kleinen Schritte der Stadt Wien in Richtung Klimaschutz und Freiraum für Menschen etwa mittels heller Bodenpflasterung und größeren Baumscheiben sind, so problematisch ist es, dass wir nach wie vor weit entfernt von einem Gesamtkonzept für die lebenswerte Klimamusterstadt sind. Statt winziger Korrekturen da und dort – nach Gutdünken der Bezirksvorstehungen –
müssen wir uns endlich systematisch der gerechteren Aufteilung des öffentlichen Raums zuwenden.

Die Bürger:inneninitiative Montleart setzte sich bis dato erfolglos für eine Umgestaltung der Montleartstraße ein. Bei ihren Plänen handelte es sich um überzeugende Vorschläge, die Klimaschutzmaßnahmen und Aufenthaltsqualität für Menschen miteinander verknüpfen und zugleich machbar und finanzierbar sind. Nicht zuletzt trafen diese Vorschläge auf die breite Unterstützung der ansässigen und stetig wachsenden Bevölkerung.

Der Unterschied zwischen diesen Ideen, wie der öffentliche Raum lebenswerter gestaltet werden könnte, und der konkreten Umsetzung, die aktuell vonstatten geht, offenbart bei uns in Penzing sehr viel Luft nach oben. Während in der Montleartstraße ab der Kreuzung Steinbruchstraße – und damit in Ottakring – ein wunderschöner durchgehender Grünstreifen mit Bäumen beginnt, werden auf der Penzinger Seite nun nach endlosen Diskussionen lediglich bescheidene neun Bäume, parkplatzerhaltend verteilt, gepflanzt. Keine Rede von größer angelegten Begrünungen und Versickerungsflächen wie auf derselben Straße in Ottakring, keine Sitzgelegenheiten, Brunnen oder gar die notwendige Verkehrsberuhigung. Und das trotz etlicher Schulen und vieler neuer Anrainer:innen, die das Grätzl beleben.

Links die Asphaltwüste in der Montleartstraße 1140, rechts die selbe Straße in 1160
Links die Asphaltwüste in der Montleartstraße in 1140, rechts die selbe Straße in 1160

Auch im Abschnitt der Spallartgasse, in dem nach und nach die neuen Wohnbauten bezogen werden, wäre eine nachhaltige Gestaltung dringend notwendig gewesen. Was aber statt Grün- und Freiraum kommt, ist weiterhin Durchzugsverkehr in beide Richtungen.

>> Der Verkehr muss Fließen<<

Mantraartig wird uns der Slogan von der Unanfechtbarkeit des fließenden Verkehrs vorgebetet. Dabei fordern wir ja nur ein, was längst überfällig ist: nämlich den Zug zur Klimamusterstadt nicht einfach achselzuckend abfahren zu lassen.

Es braucht dringend inklusive Verkehrsberuhigung, da leider auch in engen Gassen mit 30 km/h-Beschränkung gerast wird.

Auch bei Straßensanierungen bestehen wir seit langem darauf, dass geprüft wird, ob Baumpflanzungen, Begrünungen, wasserdurchlässige Pflasterungen, bauliche Radwege und vor allem breitere Gehsteige möglich wären. Was bis dato bei Sanierungen passiert? Asphalt auf, Asphalt zu. Argumentiert wird seitens der Bezirksvorstehung meistens mit zu wenig Budget für weitergehende Maßnahmen. Verschwiegen werden dabei nicht zuletzt die vielen möglichen Förderungen zum Klimaschutz, die nicht immer abgeholt werden. Der Verkehr müsse eben fließen, verwalten ist einfacher als gestalten.

Neu gewonnene freiflächen – und jetzt?

Eine große Chance bietet die fast flächendeckende Einführung des Parkpickerls. Sie fördert aktuell zutage, wieviel Raum den Parkplätzen zugesprochen wird. Nun offenbart sich viel versiegelter Freiraum – welch ein Potenzial für eine Aufwertung des öffentlichen Raums! Doch wir sehen leider keinerlei Bestrebungen seitens der Stadt, diesen für die Menschen zu nutzen. Was ist bereits zu beobachten? Garagenplätze werden aufgegeben und an Pendler:innen vermietet, die Bezirksbewohner:innen parken günstig mit Parkchip auf der Straße. Wieder wird nichts an Platz für Mensch und Tier gewonnen, wir sehen die Rücklichter des Zugs Richtung Klimaneutralität in der Ferne kleiner werden.

Dabei wären Umgestaltungen so wichtig, wenn wir uns vor Augen halten, dass in Wien zwei Drittel des öffentlichen Raums den Autos gehören. Die stadtplanerischen Fehler der Vergangenheit müssen endlich behoben werden.

der unsichtbare platz

Es gibt genug Platz, wir nehmen ihn nur vor lauter Autos kaum wahr. Die tatsächliche Breite einer Straße sehen wir erst, wenn dort einmal keine Autos stehen.

Wie zum Beispiel derzeit auf der Goldschlagstraße unterhalb des Reinlparks. Seit über 20 Jahren fordern wir die Vergrößerung des Parks unter Einbeziehung der Anrainer:innen, spät aber doch wird es umgesetzt. An der derzeitigen Baustelle erkennen wir plötzlich eine zehn Meter breite Straße, die nun zu knapp 700 m2 Park wird. Immerhin.

Bodenversiegelung – Umdenken statt wegschauen

Letztlich brauchen wir ein Gesamtkonzept für eine gerechte Platzverteilung im öffentlichen Raum. Haben die politischen Entscheidungsträger:innen dem motorisierten Individualverkehr nicht lang genug den meisten Platz im öffentlichen Raum wie selbstverständlich eingeräumt und die Rücksichtnahme aller anderen – von Kindesbeinen an – gegenüber den Autos eingefordert? Wir finden, es ist Zeit für ein grundlegendes Umdenken in der Platzfrage!

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