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am 4. März

Am Weg zur Mobilität der Zukunft

- Wien will zur nachhaltigen Smart City werden. Mobilität ist dabei ein Kernthema: Die rot-grüne Stadtregierung hat vor Jahren ambitionierte Ziele gesetzt. Entscheidend ist nun, ob Rot-Pink diese Ziele mit dem notwendigen Nachdruck verfolgt.

​von Doris Virág​​, Institut für Soziale Ökologie, BOKU Wien

Der Mobilitätssektor hat besonderen Nachholbedarf bezüglich Nachhaltigkeit und Klimaschutz. Die Stadtregierung hat unter Rot-Grün ambitionierte Ziele formuliert, sowohl in der Smart City Strategie als auch im Fachkonzept Mobilität (siehe Kasten). Der Energieverbrauch für Mobilität pro Kopf soll um 70% sinken und bis 2050 will man gänzlich klimaneutral unterwegs zu sein.

Schon 2025 ist dafür ein 80%-Anteil aller zurückgelegten Wege im Umweltverbund (siehe Kasten) angestrebt. Geplant ist dafür einiges, zumindest ​am Papier. Zum Beispiel mehr multifunktionaler öffentlicher Raum, Umverteilung von Flächen zugunsten des Umweltverbundes und der Ausbau von Elektromobilität.

Die Verkehrsregelung soll mehr an die Bedürfnisse von Fußgänger*innen und Fahrradfahrer*innen angepasst werden, und schon 2030 soll die Hälfte aller Fahrzeuge elektrisch angetrieben werden. Entscheidend ist nun, ob diese Ziele auch unter Rot-Pink mit Nachdruck verfolgt werden.​

Wo Wien steht

  • Das Fachkonzept Mobilität ist eines der Detailkonzepte zum Stadtentwicklungsplan 2025 für Wien, der 2014 vom Gemeinderat unter Rot-Grün beschlossen wurde. >>Info
  • Der "Umweltverbund" ist ein Sammelbegriff für Mobilität zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit den öffentlichen Verkehrsmitteln.
Anteil der vier Mobilitätsmodi an allen Materialbeständen, am Materialbedarf/Jahr etc
Darstellung: Anteil der vier Mobilitätsmodi an allen Materialbeständen, am Materialbedarf/Jahr, am Energiebedarf/Jahr, an den Treibhausgas-Emissionen/Jahr und an der Mobilitätsleistung in Personenkilometern/Jahr und Wegen/Jahr in Wien
  • Der "Modal Split" bezeichnet die Aufteilung der Mobilität in die verschiedenen Verkehrsmittel und setzt sich klassischerweise aus zu Fuß gehen, Fahrrad fahren, öffentlichem Verkehr und motorisiertem Individualverkehr zusammen. Seine Aussagekraft ist umstritten. >>Info

Aktuell werden 64% der Wege in, nach und aus Wien mit dem Umweltverbund zurückgelegt. Schaut man allerdings auf zurückgelegte Kilometer - und um die geht es, wenn Energieverbrauch und Emissionen sinken sollen - sinkt der Anteil auf ca. 51%. Dazu stehen dem Umweltverbund allerdings vergleichsweise geringe Anteile der Verkehrsinfrastruktur zur Verfügung, nämlich lediglich 30%, und er macht auch nur 30% des primären Energiebedarfs von Mobilität in Wien aus.

Der Umweltverbund (siehe Kasten) trägt zudem mit 23% am wenigsten zu den Treibhausgasemissionen von Mobilität bei, den Rest deckt der motorisierte Individualverkehr ab. Die ambitionierten, geplanten​ Maßnahmen der Stadt könnten die Nachhaltigkeit von Mobilität in Wien verbessern, allerdings müsste in der Umsetzung einiges bedacht werden.​

Was am Weg zu nachhaltiger
Mobilität wichtig ist

  1. Elektromobilität alleine reicht nicht
    Elektromobilität ist nur sinnvoll, wenn diese mit Strom aus erneuerbaren Ressourcen betrieben wird. Die starke Nachfrage von E-Autos würde außerdem andere Nachhaltigkeitsprobleme mit sich bringen - zum Beispiel die Knappheit kritischer Materialien wie Lithium. Auch ändert es an der Aufteilung des öffentlichen Raums zugunsten der anderen Verkehrsteilnehmer*innen nichts, ein E-Auto braucht genauso viel Platz wie ein mit fossilen Brennstoffen betriebenes Fahrzeug.
  2. Die Infrastruktur beeinflusst das Mobilitätsverhalten
    Maßnahmen, die Infrastrukturen betreffen, sind effektiver um Ressourcen zu schonen – zum Beispiel Flächenumverteilung zugunsten von Radfahrer*innen, Fußgänger*innen und dem öffentlichen Verkehr durch neue Fußgänger*innen- und Begegnungszonen oder mehr sichere Radwege. Denn die vorhandene Infrastruktur beeinflusst die Wahl des Verkehrsmittels. Mehr gemischte Raumnutzung hilft zusätzlich, lange Distanzen zu verringern. Auch die U-Bahn-Expansion und die erweiterte Parkraumbewirtschaftung waren erfolgreiche Maßnahmen für den Klimaschutz.
  3. Mobilität hat auch einen hohen Materialbedarf
    Neben Energie und Emissionen ist es wichtig, auch den Materialbedarf von Mobilität mitzudenken. Der Aufbau und die Erhaltung von Mobilitätsinfrastruktur benötigt erhebliche Ressourcen, deren Bereitstellung mit vielen Umweltproblemen verbunden ist. Vor allem Verkehrsflächen sind hier relevant, die über die Hälfte der gesamten Masse des Wiener Mobilitätssystems ausmachen, und zu zwei Drittel vom motorisierten Individualverkehr genutzt werden. Die „gebaute Umwelt“ beeinflusst unser Mobilitätsverhalten über Jahrzehnte hinweg.
  4. Weniger Mobilität, nicht nur andere Mobilität
    Schlussendlich sind absolute Reduktionen zurückgelegter Distanzen notwendig um Energieverbrauch und Treibhausgasemissionen von Mobilität zu senken. Das bedeutet: Es braucht nicht nur den Umstieg auf andere Mobilitätsarten, sondern insgesamt weniger Mobilität. Vor allem die Wege vom und zum Arbeitsplatz werden oft mit dem Auto zurückgelegt und sind ein wichtiger Ansatzpunkt um den Mobilitätsbedarf zu senken und den Umweltverbund zu stärken. Auch im Freizeitverkehr werden große Distanzen zurückgelegt, wobei hier öfter auch andere Verkehrsmittel als das Auto zum Einsatz kommen.​
  5. Mobilitätskonzept für das Wiener Umland
    Die Nachhaltigkeit von Mobilität wird nicht in Wien allein entschieden, denn die Stadt ist mit ihrem Umland verbunden. Zersiedelung und teilweise schlechter Zugang zu öffentlichen Verkehrsmitteln im Umland von Wien forcieren die Nutzung von ressourcenintensivem, motorisierten Individualverkehr für Wege über die Stadtgrenze, was auch Anrainer*innen in Durchfahrtsbezirken stark belastet. Eine integrierte Planung mit der Region um die Stadt (Ostregion) ist nötig, um die Mobilität bestmöglich zu gestalten.
  6. Besseres Monitoring von Mobilität
    Letztlich ist es auch zentral zu beobachten, welche Maßnahmen funktionieren. Bisher sind Daten zur Mobilität, vor allem zum Modal Split intransparent und ungenügend (siehe Kasten), um Fortschritte über die Zeit gut zu verstehen. Hier wären deutliche Verbesserungen nötig. Zum Frachtverkehr ist die Datenlage noch viel schlechter und Zielvorgaben fehlen. Auch im Hinblick auf den wachsenden Onlinehandel wäre der Gütertransport allerdings ein weiterer wichtiger Ansatzpunkt für einen insgesamt klimafreundlicheren Verkehrssektor.​

Was fordern die Grünen für Penzing?

Von Marita Gasteiger​​

​Auch im 14. Bezirk gibt es also Handlungsbedarf. Die Grünen Penzing fordern daher ein Maßnahmenbündel für nachhaltige Mobilität:

1. Die Ost-West-Verbindungen

des öffentlichen Verkehrs müssen ausgebaut werden, damit mehr Menschen das Angebot nutzen können und wollen. Ebenso die Nord-Süd-Verbindungen in den 13. und 16. Bezirk.

2. Die Intervalle der öffentlichen Verkehrsmittel

dürfen keinesfalls - wie unter Rot-Pink geplant - ausgedünnt werden. Wenn lange Wartezeiten dazu führen, dass noch mehr Menschen auf das Auto angewiesen sind, ist das klar ein Schritt in die falsche Richtung, denn in Penzing gibt es aktuell schon mehr Autos als im Wiener Durchschnitt.

3. Das Radwegenetz in Penzing

ist im Vergleich zu anderen Bezirken unterdurchschnittlich dicht und wächst seit Jahrzehnten schwächer als in anderen Bezirken. Im 14. Bezirk gibt es 73 Quadratmeter befestigte Radwege pro 1.000 Einwohner*innen, im Wiener Durchschnitt waren es 222 Quadratmeter (>>Info). Hier gibt es dringenden Aufholbedarf, Penzing braucht mehr sichere Radwege.

4. Zu Fuß Gehen ist die Basis aller Mobilität.

Doch dafür braucht es eine entsprechende Infrastruktur: Schattige, attraktive, begrünte Wege, ausreichend Platz, Barrierefreiheit und Sicherheit auf dem Weg, genauso ein gutes und dichtes Netz in der Nahversorgung – die „Stadt der kurzen Wege“, in der so viel wie möglich innerhalb möglichst kurzer Entfernungen erledigt werden kann.  Wenn wir nicht mehr vom Auto abhängig sind, wird das auch…

5. …den Autoverkehr im Bezirk reduzieren:

Genau das ist dringend notwendig, für eine bessere Luft, für Klimaschutz, für Sicherheit und ein grünes Penzing, wie wir es uns vorstellen.​