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am 24. Jänner

Dritte Piste verschoben – warum wir ein endgültiges Aus und weitere Maßnahmen brauchen!

Stefan Mittermüller - Winter 1930 - ©Wiener Linien; 1990 ist das Referenzjahr für klimapolitische Maßnahmen.

Winter 1930 - ©Wiener Linien

Mit einem persönlichen Rückblick ins Jahr 1990 möchte ich den Artikel beginnen. Damals habe ich meine Matura gemacht und mein Studium an der TU Wien begonnen.

In den damaligen Wintern hatten Autofahrer in Wien ein paar Wochen lang eine Schaufel im Kofferraum, um sich notfalls einen Parkplatz zwischen Schneehaufen freischaufeln zu können. Für entlegenere Gebiete Wiens z.B. am Wolfersberg, war es einige Tage pro Jahr günstig, zur Sicherheit Schneeketten ​mitzuführen, und auch in flacheren Gegenden war Radfahren auf Nebenfahrbahnen auf wochenlang festgefahrener glatter Schneedecke eine spezielle Herausforderung.

Nötige Reduktion der Emissionen

Ältere Menschen erzählen von noch viel höheren Schneemengen in ihrer Jugend. Hier ein Bild der Wiener Linien aus 1930, die Generation meiner Eltern erzählt von riesigen Schneehaufen in den 1950er- und 60er-Jahren in Penzing.

Unsere Umwelt hat sich also sehr stark verändert in den letzten Jahrzehnten. 1990 ist das Referenzjahr für klimapolitische Maßnahmen.​

Klimaschutzberichte vergleichen die Emissionszahlen verschiedener Sektoren mit 1990

Es gibt viele Sektoren, die im österreichischen Klimaschutzbericht 2019​ hohe zweistellige Reduktionen aufweisen, beim Gebäudewärmebedarf minus 36,8%, auch bei Abfallwirtschaft und Landwirtschaft. Alle diese positiven Entwicklungen werden vom Verkehrssektor mehr als aufgefressen, der in diesem Zeitraum um 74,4% gewachsen ist.
Dadurch haben sich insgesamt trotz aller Anstrengungen die Emissionen gegenüber 1990 um 1,8% erhöht.

Flugverkehr wird in den nationalen Klimaschutzberichten nicht betrachtet. Genauer gesagt, da sind nur die Inlandsflüge drin, die lediglich ein paar Promille der gesamten Klimawirkung Österreichs ausmachen. Internationale Flüge z.B. zwischen Wien und Bangkok gehen nach derzeitigen Regeln kein Land etwas an.

Auch 1990 sind schon ​viele Menschen auf Urlaub geflogen, vielleicht nicht jedes Jahr und vielleicht nicht so weit, wohl kaum jemand hat noch zusätzlich mehrere Städteflüge gemacht.

1991 sind im gesamten Jahr 3288 Flugzeuge quer über Wien auf Piste 11 gelandet. Quelle: FLUGHAFEN WIEN Analysepapier (14gegenflieger.at)

Zum Vergleich:

  • 2019: 19.320
  • 2020: 4.498
  • Der Peak 2020 lag bei Anfang September wo tageweise schon wieder etwa das doppelte Niveau von 1990 erreicht war

1990 lag die Klimawirkung des Luftverkehrs aus in Österreich getanktem Kerosin (inkl. RFI 2,7 ) bei recht genau 3% der gesamten Klimawirkung Österreichs.

Obwohl sich die in Österreich getankte Kerosinmenge pro Jahr seitdem mehr als verdreifacht hat, hat sich das Mantra der Luftfahrt nicht geändert, und zu viele Menschen glauben das Märchen der Luftfahrt nur zu gerne, dass der Beitrag der Luftfahrt kaum relevant wäre.

Im Jahr 2019 lag die Klimawirkung der Luftfahrt aus in Österreich getanktem Kerosin bei 9,22% der gesamten österreichischen Klimawirkung. 1)

Auf Pro-Kopf-Emissionen umgerechnet ist das etwa halb Wien.2)

Eine einzige tägliche Flugverbindung nach Bangkok entspricht mehr Emissionen als Neubau oder mehr als ein Drittel Penzings.​3)

Es darf nie wieder so werden wie 2019, wegen der Lebensqualität in Wien nicht und schon gar nicht wegen der fatalen Auswirkungen auf den einzigen Planeten, den wir haben.
Wir haben jetzt schon Dürren in unseren Breiten, die ohne internationalen Ausgleich zu Hungersnöten geführt hätten, die wohl in den Geschichtsbüchern Erwähnung finden würden.
(2018 Deutschland bundesweit –16% bei Getreide, einige Gegenden beinahe ein Drittel weniger z.B. Schleswig-Holstein -31%)​4)​​

Reiche Länder können durch internationalen Handel die Katastrophe für die Bevölkerung noch abwenden, aber was machen ärmere Länder, was machen wir wenn Dürre und Ernteausfälle immer größere Ausmaße erreichen und gleichzeitig überall auf der Welt auftreten?

Die Folgen werden zumindest für ärmere Bevölkerungsteile auch in reicheren Ländern sehr deutlich spürbare Preiserhöhungen sein bei unbedingt benötigten Lebensmitteln. Ich rechne mit noch viel weitreichenderen Folgen, die viele derzeit lebende Menschen noch sehen werden.

Das deutsche Umweltbundesamt hat kürzlich die externalisierten Kosten der Klimawirkung entsprechend einer emittierten Tonne CO2 bei 195 EUR berechnet. Generationengerecht berechnet läge der Wert sogar bei 640 EUR.​5)

Wird die Treibhauswirkung von Emissionen nicht in entsprechender Höhe bepreist, findet eine Umverteilung von armen zu reichen Menschen statt, zahlen Menschen die sich ökologisch verhalten für das weniger ökologische Verhalten anderer Menschen.

Derzeit überträgt jeder, der über uns drüberfliegt, die von ihm verursachten Schäden und Kosten der Allgemeinheit.​

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1.) Quelle: www.wko.at​ 
950945,04 Tonnen Kerosin multipliziert mit 3,15 (Verbrennung) und multipliziert mit 2,7 (RFI laut UBA - Emission in großer Höhe) entspricht die Klimawirkung des Flugverkehrs 8,1 Mio Tonnen.
Aus dem Klimaschutzbericht ist alles außer innerösterreichische
Flüge rausgerechnet (etwa 0,05).
79,8 - 0,05 + 8,1 -> 9,22% Flugverkehrsanteil

2.) Pro-Kopf-Emissionen sind die Gesamtmenge der Emissionen aus dem Klimaschutzbericht dividiert durch 8,9 Mio ergibt knapp unter 9 Tonen pro Kopf. (8,97)
Die klimawirksamen Emissionen der Luftfahrt entsprechen also den Pro-Kopf-Emissionen von mehr als 903.000 Menschen also in etwa halb Wien.​

3.) Die Boeing 787-8 verbraucht 4,9 Tonnen Kerosin pro Stunde und ist 10-11 Stunden unterwegs.
Günstig gerechnet für den Flug nach Bangkok mit 10 Stunden bzw. 20 Stunden hin und zurück: 4,9 Tonnen Kerosin mal 20 Stunden mal 3,15 (Kerosin erzeugt bei Verbrennung 3,15 mal so viel CO2 durch Bindung von 2 Sauerstoffatomen)
mal 2,7 (RFI-Faktor lt. UBA – Emission in großer Höhe, Kondensstreifen, Zirruswolken,…)
mal 365 Tage im Jahr ergibt die Klimawirkung entsprechend 304223,85 Tonnen pro Jahr oder die Pro-Kopf-Emissionen von 33.930 Menschen.​

4.) Quelle: BMEL - Klimaschutz - Trockenheit und Dürre 2018 – Überblick über Maßnahmen​

5.) Quelle:www.umweltbundesamt.de

Anfang September 2020 ; wurde tageweise schon wieder etwa das doppelte Niveau von 1990 erreicht; ©VCÖ