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am 8. Jänner

Verheerendes Signal

Frederik Schäfer - Die Wiener Linien dünnen ab Samstag an Wochenenden und Feiertagen ihren Fahrplan aus. Straßenbahnen fahren dann zum Teil nur noch dreimal stündlich – auch in Penzing.

Lange Wartezeiten für Pflegepersonal und Menschen in systemerhaltenden Berufen - Anreize sehen anders aus!

​„Grandios, das betrifft ja zum Glück nur Menschen, die in Spitälern, Bäckereien, Flughäfen arbeiten und um diese Uhrzeit am Wochenende unterwegs sind, aber wir könnten ja mal wieder eine Runde für sie klatschen, dann ist alles gut.“ Dieser zu Recht frustrierte Kommentar einer Leserin im Forum des „Standard“ sollte den Verantwortlichen der neuen Wiener Stadtregierung zu denken geben.

Feiertagsarbeiter*innen, bitte warten!

Mit ihrer Entscheidung, ab dem 9. Jänner Straßenbahnen, U-Bahnen und Busse in den Morgenstunden von Wochenenden und Feiertagen seltener fahren zu lassen, treffen sie nämlich vor allem all jene, die am Wochenende früh aufstehen müssen, um zur Arbeit zu fahren. Krankenhausangestellte, Pflegepersonal und viele weitere Menschen, die eben auch am Wochenende und feiertags arbeiten.

Jahrelang war es ein wichtiges Ziel der Wiener Grünen, die Öffis attraktiv zu gestalten und die Takte zu verkürzen. Jetzt positioniert sich die neue Stadtregierung als Rückschrittskoalition, denn von nun an fahren etwa die Straßenbahnen an Samstagen sowie Sonn- und Feiertagen in den frühen Morgenstunden nur noch alle 20 Minuten statt im Viertelstundentakt. Einige Verschlechterungen gelten sogar bis fast 10 Uhr. Und das hat nichts mit dem geringeren Fahrgastaufkommen wegen der Corona-Pandemie zu tun. Diese rückwärtsgewandten Maßnahmen sollen auch darüber hinaus gelten.

Konkret heißt das für Penzing unter anderem: Während im Vorjahr an einem frühen Sonntagmorgen zwischen fünf und sechs Uhr noch fünf Züge der Straßenbahnlinie 49 die Station Hütteldorfer Straße stadtauswärts anfuhren, sind es von nun an nur noch drei. Auch die Linie 52 durchfährt die Station Penzinger Straße nur noch jeweils dreimal zwischen fünf und sechs sowie zwischen sechs und sieben Uhr, mögliche Wartezeiten belaufen sich damit gut und gerne auf 20 Minuten. Auch die U4-Intervalle werden in der Früh ausgedünnt, an Samstagen, Sonn- und Feiertagen fahren etwa zwischen fünf und sechs Uhr zwei Züge weniger.

Das ist nicht nur ein Schlag ins Gesicht für viele Frühaufsteher, sondern auch ein verheerendes Signal, was die Klimakrise angeht. „Eine Großstadt wie Wien braucht attraktive Öffi-Verbindungen, gerade auch in den Randzeiten und in den Außenbezirken, damit die Bewohner*innen nicht zum Autofahren gezwungen werden“, sagt die Grüne Gemeinderätin Heidi Sequenz treffend.

klimapolitischer Wahnsinn

Im Jahr 2021, wenn es langsam auch bis in die letzten Reihen der SPÖ vorgedrungen sein sollte, dass wir mitten in einer gigantischen Klimakrise stecken und nur durch mutiges politisches Handeln – von der Bezirkspolitik bis zur großen politischen Bühne – einen Weg hinausfinden können, Anreize für das Auto- und gegen das Öffifahren zu setzen, ist klimapolitischer Wahnsinn. Und das steht auch in einem deutlichen Gegensatz zu den bisherigen umweltpolitischen Lippenbekenntnissen der rotpinken Stadtregierung.

Während Bundesumweltministerin Leonore Gewessler den Öffi-Ausbau in den Bundesländern massiv vorantreibt, setzt die neue Regierung der lebenswertesten Stadt der Welt also vor allem auf das Auto. Das ist eine bittere Enttäuschung. Eine Facebook-Nutzerin kommentiert dies treffend: „Ein Teufelskreis: je seltener die Öffis fahren, umso mehr fahren mit dem Auto, und je mehr mit dem Auto fahren, umso seltener fahren die Öffis.“ Diesen Teufelskreis gilt es zu durchbrechen, nicht zu zementieren.​