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am 18. Mai

„Gehen ist des Menschen beste Medizin.“

Julia Tesar - Das wusste schon Hippokrates von Kos, der griechische Arzt, zwischen 460 und 370 v.Chr. 2020 war wohl das Jahr des Spazierengehens. Selbst wer nicht gerne zu Fuß geht, hat in den unterschiedlichen Phasen der diversen Lockdowns der letzten 15 Monate gezwungenermaßen festgestellt, dass zu Fuß gehen wohl die einzig erlaubte Freizeitbeschäftigung im Freien ist.

Und nicht zuletzt deshalb hat das Spazieren einen richtigen Hype erlebt. Aber wie schaut denn das eigentlich aus, bei uns im 14. Bezirk?​

Gehen als Fortbewegungsmethode

Bei allem Jubilieren darüber, dass die Menschen wieder mehr zu Fuß gehen, spazieren gehen sich so großer Beliebtheit erfreut wie selten zuvor, dürfen wir aber nicht übersehen, dass Gehen an sich auch und vor allem grundsätzlich eine Fortbewegungsmethode ist, um ein Ziel zu erreichen. Aber was braucht es eigentlich, damit Menschen gerne zu Fuß gehen? Unbestritten sind dies Gehsteige, die breit genug sind, um nebeneinander gehen zu können. Vor allem in Corona- Zeiten und durch den altbekannten Babyelefanten ist hier deutlich geworden, dass diese Anforderung in Wien und somit auch in Penzing nicht immer gegeben ist. Ganz im Gegenteil. Viele Gehwege sind deutlich zu schmal, andere wären zwar breit genug, sind aber durch Verkehrszeichen, Abfalltonnen, diverse Elektrokästen oder parkende Autos verstellt. Ein weiteres Problem, das sich für die zu Fuß gehende Bevölkerung ergibt, ist, dass es oftmals an sicheren Querungsmöglichkeiten der Straßen fehlt. Vor allem ältere Menschen, die nicht mehr so schnell sind, müssen teilweise lange Umwege gehen, um eine stark befahrene Straße zu überqueren. Es fehlt nicht nur an Ampeln, sondern auch an Zebrastreifen. Ganz eklatant stellt sich beispielsweise die Situation auf der Hütteldorferstraße zwischen Lützowgasse und Zehetnergasse dar. Auf einer Gesamtlänge von knapp 800m gibt es keine einzige Möglichkeit, die stark befahrende Hütteldorferstraße sicher zu überqueren. Und das obwohl die Wohndichte in diesem Bereich sehr hoch ist, es viele Kindergärten und Schulen gibt, aber auch viele ältere Menschen in diesem Grätzl leben, die ihre täglichen Wege hauptsächlich zu Fuß erledigen.​

Betonwüste und Hitzepole

Aber auch die Attraktivität und der Wohlfühlfaktor spielen eine Rolle, wenn Menschen sich dazu entschließen sollen, auf die klimaneutralste und auch gesündeste Art der Fortbewegung umzusteigen. Fehlen vor allem im Hochsommer Bäume und Verweilplätze, dann ist es einer nicht kleinen Zahl an Bewohner*innen schlichtweg kaum zumutbar, ihre täglichen Wege zu Fuß zu erledigen. Nicht minder wichtig ist ein ansprechendes Stadtbild, belebte Erdgeschossbereiche und die seit Langem geforderte Verkehrsberuhigung, die dazu beitragen würden, dass die schwächsten Verkehrsteilnehmer*innen sich zu Fuß wohler fühlen könnten.  Und da wären wir schon bei einem weiteren Punkt, der in der Debatte um das zu Fuß gehen eine wesentliche Rolle spielt. Menschen, die ihre täglichen Wege zu Fuß erledigen wollen und teilweise auch müssen, sind das schwächste Glied in der Verkehrsteilnehmer*innenkette und verfügen mit Abstand über die leiseste Lobby. Von klein auf wird uns eingetrichtert, im Straßenverkehr besonders gut aufzupassen, wenn wir zu Fuß unterwegs sind. Autos, Fahrräder und Co. haben unhinterfragt Vorrang, wir dürfen es erst wagen, einen Schritt auf die Straße zu setzen, nachdem wir uns eingehend vergewissert haben, dass auch keine rollende Gefahr naht.

Sicher zu Fuß gehen – bitte jetzt!

Dabei ist der Anteil an Menschen, die zumindest mehrmals pro Woche zu Fuß gehen durchaus ein beträchtlicher. Der Mobilitätsreport 2019 führt an, dass immerhin 77% der Wiener*innen mehrmals pro Woche Strecken zu Fuß gehen, die mindestens 10 Minuten dauern. Allerdings ist der Anteil der befragten Personen, die angeben „Gerne zu Fuß zu gehen“ von 88% im Jahr 2017 auf 81% im Jahr 2019 gesunken. Zahlen für 2020 liegen noch nicht vor, es darf aber davon ausgegangen werden, dass im letzten Jahr pandemiebedingt nicht wirklich ein Vergleich zu den Jahren davor gezogen werden kann. Ebenso gibt der Mobilitätsreport Auskunft darüber, was die befragten Personen sich am meisten wünschen. Und das sind beispielsweise längere bzw. versetzte Grünphasen bei Fußgeher*innenampeln und mehr Möglichkeiten der sicheren Straßenquerung. Dass diese Forderungen nicht überzogen sind, zeigen auch die offiziellen Unfallstatistiken der Stadt Wien. So wurden im Jahr 2019 immerhin 1156 Fußgeher*innen alleine in der Stadt Wien bei Verkehrsunfällen verletzt oder getötet.

Es braucht Utopie in der Verkehrsplanung

Was braucht es nun aber konkret, damit wir alle uns wohl fühlen, wenn wir unsere täglichen Wege zu Fuß erledigen wollen? Wir Grüne Penzing sind der Meinung, in erster Linie braucht es verkehrsberuhigte Straßen, es braucht breite Gehwege, die auch für Menschen mit Gehhilfen, Kinderwägen oder in Rollstühlen gut benutzbar sind – Stichwort Bordsteinkanten. Weiters fordern wir Begrünungen und Sitzgelegenheiten im öffentlichen Raum, natürliche Beschattungen der Straßenzüge, die teilweise kilometerlang über keinen Baum und keinen Schattenplatz verfügen. Ebenso setzen wir uns dafür ein, dass gerade auf stark befahrenen Straßen mehr Querungsmöglichkeiten geschaffen werden. Und da es durchaus immer auch ein bisschen Utopie braucht, fordern wir eine attraktive und ansprechende Gestaltung der Erdgeschoßzonen. Weg von den grauen Garageneinfahrten hin zu kleinen Läden, die uns mit dem täglichen Bedarf versorgen, am besten regional und nachhaltig. Denn eine Verkehrsplanung für alle ist nur ein Teil der dazu beiträgt, dass Penzing ein lebenswerter und gesunder Bezirk bleibt und noch viel lebenswerter, gesünder und grüner wird.

Quellen: Mobilitätsreport 2019​​