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am 22. Februar

Baum Nr. 1208 - Der steinige Weg zu mehr Grün

Silke Baron - Auch in Zeiten der Klimakrise und dem Kampf gegen urbane Hitzeinseln ist es nicht einfach mehr Begrünung in der Stadt durchzusetzen. Gelder für Baumpflanzungen, Fassadenbegrünung, Beete und Tröge oder gar Rasengleise sowie die Betreuung und Bewässerung sind knapp, Einbauten verhindern laut Auskunft des Magistrats vielerorts neue Standorte für Bäume.

Im Bild ein Salzhaufen um den Baum mit Baustellenschutz

​Im Zuge der Errichtung eines Wohnhauses mit 63 Mietwohnungen und einem Supermarkt in der Hütteldorfer Straße 213 starb trotz Baumschutz direkt neben der Baustelle im Mai 2017 eine stattliche alte Linde. Angeblich durch die Überschreitung ihrer physiologischen Altersgrenze mit über 90 Jahren. Linden können über 1000 Jahre alt werden, just saying.

Die Salzstreuung – besonders im Winter 2016/2017 - war zum Teil extrem (s. Foto), und Linden sind im Gegensatz zu vielen anderen Baumarten wenig salztolerant. Ein Zusammenhang zwischen der massiven Salzstreuung und dem Tod des Baumes wurde jedoch von offizieller Seite bestritten.

Nach Fertigstellung der Bauarbeiten Ende 2017 verblieb die leere Baumscheibe. Ein halbes Jahr verging und es trudelten bei uns erste Anfragen von Menschen ein, die das Fehlen des Baumes bemängelten. Vor dem benachbarten Neubau und auch auf dem daran angrenzenden Haltestellenbereich der Linie 49 (Station Lützowgasse) stadteinwärts wurde gleich gänzlich auf Bepflanzung verzichtet; Vielleicht war dies mit ein Grund warum den Menschen das Fehlen des Baumes besonders negativ auffiel. Übrig blieb nach Abschluss aller Arbeiten eine charmebefreite Asphaltwüste obwohl genügend Platz für Begrünung vorhanden ist. Auch eine Fassadenbegrünung des neu errichteten Wohnhauses wäre schön gewesen, aber das ist eine andere Geschichte.​

Ein Screenshot vom Baumkataster vom 28.11.2018
Die Nachpflanzung vom Dezember 2018

Auf unsere Nachfrage wann die vorgeschriebene Ersatzpflanzung erfolgen würde, schrieb uns Stadträtin Ulli Sima im Herbst 2018, diese sei bereits erfolgt. Wir verwiesen auf den augenscheinlich leeren Pflanzort, und siehe da, innerhalb weniger Tage wurde kurz nach Wintereinbruch im Dezember 2018 eine Winterlinde gesetzt. Der nachgepflanzte Baum genügte weder uns noch vielen AnrainerInnen, die sich nach wie vor bei uns über die lieblose Gestaltung des gesamten Straßenabschnitts beschwerten.

Im Herbst 2018 hatten wir die Begrünung des Haltestellenbereichs - Stichwort Asphaltwüste - beantragt. Die „Baumlücke“ auf diesem Abschnitt der Hütteldorfer Straße, die man sonst durchaus als Allee bezeichnen kann, ist immerhin über 200 Meter lang.
Man teilte uns jedoch mit dass "die Schaffung neuer Baumstandorte bereits mehrfach geprüft" worden sei, aus Kostengründen aber abgelehnt worden war. Einer Bürgerin, die wegen Baumpflanzungen in diesem Bereich nachgefragt hatte, wurde von der MA 42 mitgeteilt, dass Einbauten das Pflanzen von Bäumen "kaum zulasse". Einbauten sind eine beliebte negative Beantwortung von Pflanzungsanfragen, da sie für uns unüberprüfbar sind. Nur ein kleiner Kreis Eingeweihter in den zuständigen Magistratsabteilungen weiß, wo es wirklich Einbauten gibt und welcher Art diese sind. Nicht alle Einbauten verhindern Pflanzungen, aber als Argument gegen neue Baumpflanzungen muss uns allein die Auskunft dass es Einbauten gibt genügen, Punktum.

Waren nun die hohen Kosten oder die Einbauten Schuld dass die Asphaltwüste bleiben sollte wie sie ist? Wir schlugen im Umweltausschuss als Alternative zu Bäumen Pflanztröge vor. Dass diese ebenfalls aus Kostengründen abgelehnt wurden, wollen wir so nicht hinnehmen. Bezirksvorsteherin Andrea Kalchbrenner versprach uns zu Jahresbeginn mit der MA 42 zu sprechen und uns mitzuteilen, was an Begrünungsmaßnahmen möglich sei. Wir warten gespannt auf Antwort, vielleicht endet der steinige Amtsweg doch im Grünen. Nach der nächsten Sitzung der Bezirksentwicklungskommission wissen wir mehr. Bis dahin empfehlen wir den Stadtentwicklungsplan STEP 2025​ zur Lektüre.

Sollten Sie konkrete Vorschläge haben wo Bäume im Bezirk fehlen zögern Sie nicht es uns mitzuteilen unter penzing@gruene.at​. Wir setzen uns dafür ein, dass Neupflanzungen ermöglicht werden.​