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am 23. April

Das grüne Tor zu Penzing

Marita Gasteiger, Frederik Schäfer - Die Hütteldorfer Straße ist eine der Hauptverkehrsadern in den 14. Bezirk – und aus ihm heraus. Muss Verkehrsader aber immer Blech, Asphalt und überhitzte Fahrzeuge im Stau bedeuten? Wir glauben: Nein. Machen wir aus der Verkehrsader eine Lebensader für den Bezirk, das grüne Tor zu Penzing – eine Begegnungszone.

Wer an der Station Hütteldorfer Straße ein-, aus- oder umsteigt, ist mit einem trostlosen Bild konfrontiert: Asphalt, so weit das Auge reicht. Es ist eng, was in Zeiten der Pandemie keineswegs ungefährlich ist. Und dazu kommt die Alltagshektik zwischen mehreren Straßenbahnen und der U-Bahn-Station, die zusätzliche Stressgefühle verursacht. Der Punkt ist: Der Platz ist allein schon für jene, die hier umsteigen, viel zu knapp bemessen. Der motorisierte Verkehr staut sich auf engstem Raum, ein Überqueren der Straße ist selbst am Zebrastreifen gefährlich. Und die hohen Schwellen erschweren das Überqueren für Personen im Rollstuhl oder mit Kinderwagen noch zusätzlich.

Auch in Sofia fährt die Straßenbahn durch die Fußgänger*innenzone

Was ist die Lösung?

Ein Mangel an Platz ist keine neue Herausforderung in Wiens Bezirken – schaut man sich etwa die Innenbezirke an. Doch die Art des Umgangs ist vielerorts eine andere: Während in Penzing um jeden Parkplatzmeter verbissen gekämpft wird, lautet in anderen Bezirken die Losung: Platz für Menschen – nicht für Asphalt und Blech. Wir wissen längst, dass Menschen bereit sind, vom Auto auf nachhaltige Mobilität umzusteigen – wenn ihnen von der Politik eine sichere und zuverlässige Infrastruktur geboten wird. Wer die Hütteldorfer Straße kennt, weiß: Sie ist weder sicher (Fahrradausflug auf die Hütteldorfer Straße gefällig?) noch zuverlässig (siehe Ausdünnung der Öffi-Intervalle an den Randzeiten – danke, rot-pink!).

Wir können Penzing nachhaltiger gestalten, wir können es in puncto Mobilität sicherer und zuverlässiger machen – wenn der Bezirk endlich in Platz für Menschen investiert anstelle von Blech und Asphalt. Eine Begegnungszone von der Station Hütteldorfer Straße bis zur Höhe Kendlerstraße kann aus diesem Ort der Durchreise, des Ein-, Aus- und Umsteigens, einen Treffpunkt machen, ein Zentrum, einen Ort, der zum Flanieren einlädt, der durch seine Aufwertung neue Betriebe und Geschäfte anlockt.

Wie das grüne Tor zu Penzing aussehen könnte, sieht man hier

​Fest steht aber auch: Es handelt sich bei dieser Visualisierung um einen Vorschlag, eine Möglichkeit. So große Projekte können und dürfen nicht von oben diktiert werden. Sie müssen von Planer*innen, Einwohner*innen, Behörden und Expert*innen gemeinsam gestaltet werden. Wir Grüne stellen hier eine Möglichkeit zur längst überfälligen Debatte.

Großer Wurf statt Minimalkompromiss

Viele große Veränderungen im Wiener Stadtbild haben mal als Antrag im lokalen Bezirksparlament begonnen – und so bringen wir auch diesen Vorschlag einer Begegnungszone bei der kommenden Bezirksvertretungssitzung als Antrag ein. Viele dieser Anträge wurden mehrfach abgelehnt, über sehr lange Zeiträume. Das ist aber auf Dauer kein Hindernis für deren Umsetzung: Es führt kein Weg an der Verkehrswende vorbei. Es führt kein Weg daran vorbei, dass wir Ressourcen wie Platz, saubere Luft und städtisches Grün gerechter verteilen. Es führt kein Weg daran vorbei, dass wir die Lebensqualität im Bezirk nicht bestmöglich verwalten, sondern sie nachhaltig verbessern – und zwar auch für jene, die sich kein Auto leisten können. Der Schlüssel zum Erfolg ist die eigene Hartnäckigkeit: Dranbleiben, Antworten fordern, Unterstützung suchen und Bündnisse schmieden – und dieses „Unmöglich – Das geht nicht“ nicht als der Weisheit letzter Schluss akzeptieren. Letzten Endes geht es auch in dieser Frage um den politischen Willen. Minimalkompromisse sind nicht mehr angesagt, dafür ist die Klimakrise zu weit fortgeschritten. Wir müssen handeln – fangen wir beim grünen Tor zu Penzing an: Machen wir aus der Verkehrsader eine Lebensader!​