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am 18. September

Öffi-Haltestellen auf dem Prüfstand

Markus Pilgerstorfer - Barrierefrei unterwegs in Penzing - Die Grünen Penzing machen den großen Test. Wie barrierefrei ist der öffentliche Raum im 14. Bezirk wirklich? Wir begutachten JEDE Haltestelle. Eine Entdeckungstour durch unseren Bezirk, mit allerhand Kuriosem.

im Rollstuhl
Gesperrter Lift
... und was jetzt ?
Eine Straßenbahnstation von der Sie nicht runterkommen, ein Schutzweg den Sie nur schwer erreichen, eine S-Bahn die Sie nicht mitnimmt oder eine öffentliche WC-Anlage die Erleichterung nur auf Umwegen bietet. Dies alles und vieles mehr erleben Sie täglich wenn Sie in Penzing unterwegs sind, mit dem Rollstuhl. Die Grünen Penzing machen daher den großen Test. Wie barrierefrei ist der öffentliche Raum im 14. Bezirk wirklich? Wir begutachten JEDE Haltestelle. Eine Entdeckungstour durch unseren Bezirk, mit allerhand Kuriosem.

Kräftige Beine und Arme

Ich liebe es zu laufen. Es ist meine Leidenschaft. Tausende Kilometer legte ich bereits am Wiental Radweg zu Fuß zurück. Die perfekte Strecke für ein Marathontraining. Am Ende eines langen Laufs empfinde ich neben Glücksgefühle und Müdigkeit auch große Dankbarkeit. Für mich ist es ein Geschenk, dass ich imstande bin 42,195 km zu laufen. Mathias hingegen kann sich keinen Zentimeter auf seinen Beinen fortbewegen. Er sitzt im Rollstuhl. Seine Kraft hat er vor allem in den Armen. Die braucht er dort auch, wenn er im öffentlichen Raum unterwegs ist. Unebene Bordsteinkanten, schwere Türen bei U-Bahn-Stationen und lange Anfahrtswege zu Öffi-Haltestellen stellen ihn jeden Tag vor großen Herausforderungen.


Eine Öffi-Tour durch Penzing

Mathias setzt sich sehr engagiert für mehr Barrierefreiheit ein. Er besucht unterschiedlichste Organisationen bzw. Vereine und leistet Aufklärungsarbeit. Seit geraumer Zeit besucht Mathias auch die Grünen Penzing regelmäßig. Durch seine Erzählungen werden uns die Schwierigkeiten von Rollstuhlfaher_innen etwas bewusster. Tatsächlich erfahrbar wurden sie für mich aber erst als er mit mir eine Öffi-Tour durch den Bezirk machte. Wir trafen uns bei der 10er-Station Hütteldorfer Straße. Dort wartete das erste Hindernis, die nicht barrierefrei Haltestelle in Richtung Unter St. Veit. Mit der U-Bahn ging es zur Station Kendlerstraße weiter, dessen schweren Ausgangstüren den Alltag von Rollstuhlfahrer_innen nicht leichter machen. Von Ottakring fuhren wir mit der S45 zum BHF Penzing weiter. Zuvor hieß es aber bitte warten. Denn die_der Lokführer_in nahm Mathias beim Einfahren am Bahnsteig nicht wahr. Die Rampe für Rollstuhlfahrer_innen beim Zugeingang war so zwecklos. Erst der nächste Zug nahm uns mit. Am BHF Penzing angekommen wollten wir auf Bahngleis 1 wechseln. Nur der Lift zum Bahnsteig der gleichzeitig auch der barrierefreie Zugang zur Cumberlandstraße ist, war gesperrt. Völlig entnervt verabschiedete ich mich schließlich bei Mathias. Mein Respekt vor der Leistung die Rollstuhlfahrer_innen täglich erbringen müssen ist aber nochmals enorm gewachsen.


Ein fremder Blick offenbart vieles

Nach dieser Tour will ich mehr über die Barrierefreiheit der Penzinger Öffi-Stationen erfahren. Da ich gut zu Fuß bin, recherchierte ich alle Bus- und Straßenbahnverbindungen in Penzing und begann diese einzeln abzugehen. Bei jeder Haltestelle versuche ich mich in eine_n Rollstuhlfahrer_innen hineinzuversetzen. Durch diesen fremden Blick entdeckte ich weiteres Kurioses. Die 51A-Station Flötzersteinbrücke ist nur über Stock und Stein erreichbar. Ein Alptraum für Rollstuhlfaher_innen. Die 49er Station Satzbergasse befindet sich in der Straßenmitte. Mit dem Rollstuhl kommen sie nicht von der Straßenseite Richtung stadtauswärts auf die Haltestelle. Die Bordsteinkante selbst auf der Straßenseite ist zwar barrierefrei, nur die Haltestelle nicht. Ähnliches bei der 48A-Station Otto-Wagner-Spital. Dort gibt es einen Schutzweg aber eben auch wieder keine abgeflachte Bordscheinkante. Entlang der Linie 52 liegt der Baumgartner-Casino-Park mit einer barrierefreien Toilette am Gehsteig zur Linzer Straße. Vom Park zur Linzer Straße gibt es drei Stiegen. Keine davon ist aber barrierefrei. Möchte ein_e Parkbesucher_in die barrierefreie Toilette aufsuchen, muss sie_er einen großen Umweg gehen und braucht viel Geduld.


Wie geht es weiter?

​Zu allen nicht barrierefreien Haltestellen stelle ich selbstverständlich einen Antrag für Verbesserungen. In der Zwischenzeit dauern meine Spaziergänge durch den Bezirk an. Bis in den Spätherbst nutze ich noch die Wochenenden dafür. Kennen Sie eine nicht barrierefreie Haltestelle in Ihrer Nähe? Kontaktieren Sie mich unter markus.pilgerstorfer@gruene.at. Ich komme zur Besichtigung. Anschließend geht es ihm Rahmen der Grünen-Parktour in die Penzinger Parks. Inwieweit sind die Spielplätze in unserem Bezirk für körperbehinderte Kinder geeignet? Auch hierbei wird mir Mathias mir Rat und Tat zur Seite stehen.​

​                        Danke für deinen Einsatz!