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am 29. August

Die Dr.-Karl-Lueger-Brücke – ein wenig verbindendes Stück Geschichte

Silke Baron - Antisemit, Deutschnationalist, Hetzer – warum ist immer noch eine Brücke in unserem Bezirk nach Karl Lueger benannt? Wir fordern eine Neubenennung – und haben auch schon eine viel geeignetere Kandidatin im Auge.

Das Karl-Lueger-Denkmal im 1. Bezirk
Das Karl-Lueger-Denkmal im 1. Bezirk

​Wer von Hadersdorf zum Auhof-Center oder Richtung Westautobahn unterwegs ist, hat sie höchstwahrscheinlich schon passiert: Die Dr.-Karl-Lueger-Brücke. Sie verbindet die Badgasse mit der Albert-Schweitzer-Gasse.

Die eine Gasse heißt wegen des dort gelegenen Freibades Badgasse. Albert Schweitzer, nachdem die direkt zum Einkaufszentrum führende Gasse benannt ist, hatte als Arzt nicht nur ein Krankenhaus in Gabun gegründet, sondern war auch Pazifist, Gegner des Nationalsozialismus und Friedensnobelpreisträger. Und die Verbindungsbrücke der beiden Gassen? Benannt nach einem populistisch agierenden Antisemiten und ausgrenzenden Deutschnationalisten – dem Gründer der Christlichsozialen Partei und Bürgermeister von Wien, Karl Lueger. Das passt nun so gar nicht zusammen.

Dabei wurde ein Anliegen der Grünen bereits vor einigen Jahren Realität: Die Stadt Wien setzte eine HistorikerInnen-Kommission ein, deren Auftrag die Untersuchung der historischen Bedeutung jener Persönlichkeiten war, nach denen Wiener Straßen benannt sind. Laut Abschlussbericht war die politische Rhetorik Luegers von aggressiver antijüdischer und deutschnationalistischer Polemik geprägt. Er verstärkte die antisemitischen und diskriminierenden Tendenzen in der öffentlichen politischen Diskussion. Deshalb wurde der Dr.-Karl-Lueger-Ring schlicht in Universitätsring umbenannt. Geblieben sind die besagte Penzinger Brücke, ein Denkmal, ein Platz, eine Büste, ein Brunnen, eine Eiche, ein Zinshaus, eine Kirche, ein paar Gedenktafeln. Genug der Würdigung finden wir, auch ohne die Brücke.

Die Zusatztafel zur Ortsbezeichnung
Die Zusatztafel zur Ortsbezeichnung

In einem persönlichen Gespräch mit dem Historiker Dr. Peter Autengruber vom Institut für Zeitgeschichte – einem Mitglied der besagten Kommission – wurden mir jedoch neben den negativen auch die positiven Seiten Luegers dargelegt: Lueger kommunalisierte die Straßenbahnen, sorgte für eine gute Infrastruktur der Strom- und Gasversorgung. Er richtete nach deutschem Vorbild ein städtisches Arbeitsvermittlungsamt ein, die Gasometer wurden gebaut sowie die zweite Wiener Hochquellenwasserleitung in Betrieb genommen, um den stark gestiegenen Wasserbedarf decken zu können.​

Trotz dieser Leistungen wiegen aber die antisemitischen Verfehlungen so schwer, dass die in der Öffentlichkeit zur Schau gestellte Lobpreisung Luegers nicht nur uns ein großer Dorn im Auge ist. Die Zusatztafel an der Lueger-Brücke, die seinen populistischen Antisemitismus darlegt, ist gut, aber besser wäre eine Umbenennung.

Als Namenspatronin für die neu benannte Brücke wäre Dr. Erika Weinzierl hervorragend geeignet: eine Wienerin, die sich als Historikerin besonders der Kritik am und der Bekämpfung des Antisemitismus verschrieben hatte.​​​​​